Wege zueinander

Die Verbindung von Online-Selbsthilfe und traditioneller Beratung
Wer heutzutage eine Problem hat oder bei einer bestimmten Frage nicht weiter weiß, hat es leichter als noch vor 20 Jahren. Sie/Er kann sich Antworten und Tipps, Rat und Hilfe schnell und unverbindlich im Internet holen. Zahlreiche Foren und Online-Communitys stellen Informationen zu spezifischen Themengebieten zur Verfügung und bieten in Diskussionsgruppen die Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Organisationen und Verbände, die ihre Hilfe online anbieten, können i.d.R. mehr Personen erreichen und diese besser miteinander vernetzen als durch die persönliche Beratung. Diesem Gedanken folgend hat der VAMV 2009 das Online-Portal www.die-alleinerziehenden.de als Ergänzung zur persönlichen Beratung ins Leben gerufen. Die über 1.700 sogenannten Web-Mitglieder, die sich seit dem Start des Portals angemeldet haben, dürfen durchaus als Erfolg verbucht werden. Die stetig wachsende Zahl zeigt, dass Bedarf an einem Online-Angebot für Alleinerziehende besteht. Positive Rückmeldung ist vor allem von denjenigen zu verzeichnen, die noch sehr kleine Kinder haben und dadurch stärker an Zuhause
gebunden sind.

Online-Angebot als idealer Einstieg
Trotz der insgesamt positiven Bilanz lassen sich einige Vorbehalte bzw. Skepsis gegenüber dem Portal nicht so leicht ausräumen. Fördert das Online-Selbsthilfeangebot das Solidargefühl oder verhindert sie eher das Prinzip der gegenseitigen Hilfe? Nutzen Interessierte das Online-Angebot statt der Beratung oder trotzdem? Oder ist es vielleicht sogar so, dass das Portal erst die Möglichkeiten der „realen Hilfe“ eröffnet? Auch im Rahmen der NAKOS-Fachtagung im November 2010 zum Thema „Neue Medien - Neue Selbsthilfe?!“ wurden diese Fragen diskutiert. Dabei wurde deutlich, dass die sogenannte „virtuelle Selbsthilfe“ insgesamt niederschwelliger als ein lokales Angebot ist, weil sie eine größere Anonymität bietet und größere zeitliche und örtliche Flexibilität bietet. Für diejenigen, die unsicher sind, ob das Angebot des entsprechenden Verbandes überhaupt das passende ist, ist die Online-Community ein idealer Einstieg. Es zeigt sich, dass die Wahrscheinlichkeit in einer realen Gruppe Hilfe zu suchen steigt, je länger User/innen in der Online-Community angemeldet sind. Viele sind zunächst Nur-Leser/innen, beginnen dann sich aktiv an den Diskussionen zu beteiligen und wagen später den Schritt zur realen Beratung oder in die Selbsthilfe-Gruppe. Die virtuelle Selbsthilfe hat somit auch eine Vermittlungsfunktion.

Alleinerziehend on- und offline
Das VAMV Online-Angebot die-alleinerziehenden ist erst 18 Monate jung und über das Potential des Portals für Mitgliederzuwächse lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nur spekulieren. Direkte Zusammenhänge zwischen Web- und realen Mitgliedern lassen sich aus datenschutzrechtlichen Gründen so gut wie nicht herstellen. Aber vielleicht braucht hier auch gar kein so starker Unterschied gemacht werden. Letztendlich sollen doch die Interessen aller Alleinerziehenden und ihrer Kinder vertreten werden – einerlei, welchen Status die Mitgliedschaft hat.