Von Amts-Wegen

Von Amts-Wegen

Schritt für Schritt zum Kitaplatz

1. Die Kitagutscheinstelle: „An Ihrer Stelle würde ich jetzt gar keinen Kitagutschein beantragen. Momentan kriegen Sie sowieso keinen Platz für Ihren Sohn.“ Das ist das erste, was ich auf dem Kitagutscheinstellenamt zu hören bekomme. Ziemlich niedergeschlagen nehme ich den Wust an Papieren mit, den ich ausfüllen soll, um dann doch irgendwann einen Kitaplatz für meinen Sohn zu beantragen. – Zufällig treffe ich am nächsten Tag eine Bekannte mit ihrer kleinen Tochter auf der Straße und erzähle meine Geschichte von der Gutscheinstelle (Der Name allein bringt mich schon auf die Palme, als bekäme man da irgendwas geschenkt!) „Ach was, lass dich davon nicht abschrecken, das sagen die doch immer!“ sagt meine Bekannte. Also los, alle Formulare ausfüllen und die nötigen Bescheinigungen besorgen.

2. Die Agentur für Arbeit: Als Arbeitssuchende mit ALG I  habe ich einen Anspruch auf einen Betreuungsumfang für meinen Sohn von 4-5 Stunden täglich. Dabei suche ich ja eigentlich einen Vollzeitjob!? Naja gut, erstmal abwarten und Tee trinken, denke ich. Als nächstes brauche ich von der Arbeitsagentur die schriftliche Bestätigung, dass ich arbeitssuchend bin. Ok. Also gleich direkt zum Amt, das geht am schnellsten. „Wie Sie haben keinen Kitaplatz für ihren Sohn!!! Dann stehen Sie dem Arbeitsmarkt doch gar nicht zur Verfügung. Da bekommen Sie jetzt Hartz IV.“  - Schock! Was? Aber das ich doch verrückt! Das ist doch ein Teufelskreis! - denke ich und sage: „Ich gehe hier erst wieder weg, wenn das geklärt ist, der Wisch unterschrieben ist und ich weiterhin ALG I beziehe. Und außerdem will ich Ihren Vorgesetzen sprechen.“ Der kommt dann ganz gemütlich zur Tür hereingeschlurft und bittet mich, ihm in sein kleines Büro zu folgen. „Warum regen Sie sich so auf!? Wir sind hier nur die Exekutive. Das wissen Sie doch.“ Da sitze ich plötzlich ganz still und starr. So viel Desinteresse trifft man nur beim Arbeitsamt. „Ich unterschreibe Ihnen jetzt das Papier und Sie bekommen weiterhin ALG I. Tschüss.“ Es dauert einige Zeit bis sich mein Puls wieder normalisiert hat.

3. Die Kita-Suche: Unglaublich aber wahr: Ich habe einen Kitagutschein für 4-5 Stunden Betreuung. Al-lerdings hätten die mir vom Amt auch gleich sagen könne, dass ich damit nie einen Kitaplatz für meinen Sohn bekommen würde. Jetzt weiß ich: Keine Kita vergibt einen halben Kitaplatz! Keine! Ist ja eigentlich auch logisch. Rein praktisch ist das gar nicht machbar. Morgens das eine Kind und nachmittags das andere…..Wer braucht am Nachmittag eine Betreuung? Und jetzt? Da erzählt mir eine Freundin: „Lass dir von irgendjemandem einen „Praktikumsplatz“ bestätigen und dann beantrage einen Voll-zeitkitagutschein.“ Gesagt, getan. Zum Glück kenne ich jemanden, der sich gerade selbstständig gemacht hat. Ich schreibe mir also selber eine Paktikumsbescheini-gung, lasse sie unterschreiben und dackel damit zum Amt. Sofort erhaltet ich einen neuen Gutschein: Vollzeit und bis zum Schuleintritt meines Sohnes!!!! Das ist die Wahrheit und sie könnte absurder nicht sein.

4. Das Happy-End: Drei Wochen lang klappere ich jeden Tag fünf Kitas ab und überall kriege ich zu hö-ren: „Wir sind voll und die Warteliste ist lang.“ Dann plötzlich und unerwartet der erlö-sende Anruf: Ab übernächsten Monat haben wir einen Platz für Ihren Sohn. - Jetzt ist er schon eingewöhnt, die Kita ist super, die Erzieher kompetent und liebevoll. Und das wichtigste: Mein Kleiner fühlt sich wohl. Und ich kann noch immer nicht fassen, dass nach all den Hürden, die ich nehmen musste, doch noch alles gut gegangen ist. Wahnsinn!

Susanne L.

 

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