Studie zu Kindern von Alleinerziehenden

Eine Studie der Universität Bielefeld räumt mit Vorurteilen auf: Alleinerziehende erleben zwar viele Belastungen, geben diese aber nicht an ihre Kinder weiter. Den größten negativen Einfluss auf das Aufwachsen von Kindern hat eine potenzielle Armutslage. Die Frage, ob ein Kind mit einem oder zwei Elternteilen zusammenlebt, ist dagegen wenig relevant. Da Kinder von Alleinerziehenden ein erhöhtes Armutsrisiko haben, sind sie jenen negativen Einflüssen umso wahrscheinlicher ausgesetzt. Zudem werden sie häufiger ausgegrenzt.

Die repräsentative Studie hat Kinder selbst befragt. Sie belegt, dass sich Kinder aus ökonomisch benachteiligten Familien häufig selbst weniger zutrauen, ihre Fähigkeiten schlechter einschätzen und von Anfang an schlechtere Noten haben als Kinder aus privilegierten Familien. Diese bekommen selbst dann bessere Noten, wenn sie ihre eigenen Fähigkeiten schlechter einschätzen. Die Studie verweist auf den  Zusammenhang zwischen einer positiven Selbsteinschätzung von Kindern und einer anregungsreichen Umwelt. Die Möglichkeit Kinder entsprechend zu fördern, hängt mit dem Einkommen der Eltern und ihrer Mobilität zusammen: So geben zum Beispiel Kinder aus benachteiligten Milieus mit 30 Prozent deutlich seltener an, ein Musikinstrument zu spielen als Kinder aus wohlsituierten Familien mit über 60 Prozent. Aus den Ergebnissen der Befragung wird geschlossen, dass für ein gutes Aufwachsen aller Kinder das Herstellen einer anregungsreichen Umwelt ein zentraler Ansatzpunkt für öffentliche pädagogische Einrichtungen ist.

Kinder aus benachteiligten und Einelternfamilien berichten in den Interviews von mindestens genauso viel Aufmerksamkeit und Zuwendung in der Erziehung wie Kinder aus Zweielternfamilien. Das widerlegt das Vorurteil, wonach Alleinerziehende keine gute Erziehungspraxis hätten. Deren Kinder geben sogar zu 100 Prozent an, „sie hätten immer jemanden, der sich um sie kümmert.“

Armut belastet Kinder

Gut ein Viertel der Kinder aus sozial benachteiligten Milieus fühlt sich emotional belastet: 31 Prozent sagen, „oft wütend zu sein“, 21 Prozent sich „oft zu schämen“. Kinder aus privilegierten Familien stimmen diesen Aussagen nur zu 20 bzw. 12 Prozent zu. Der Familienstatus alleinerziehend wirkt weiter verstärkend: Kinder ökonomisch benachteiligter Alleinerziehender geben mit 22 Prozent am häufigsten an, „oft traurig zu sein, ohne zu wissen warum“. Zudem wird der Nachwuchs ökonomisch benachteiligter Alleinerziehender stärker ausgegrenzt: 34 Prozent stimmen der Aussage zu, „von anderen gehänselt zu werden“, 23 Prozent „meistens allein zu sein“. Jedes dritte dieser Kind wird sogar gemobbt. Dennoch glauben 90 Prozent aller befragten Kinder „ihr Leben wird richtig schön“. Bei Kindern aus privilegierten Familien gilt dies zu nahezu 100 Prozent.

Der Erziehungswissenschaftler Holger Ziegler hat für die Studie „Auswirkung von Alleinerziehung auf Kinder in prekärer Lage“ Interviews mit 1053 Kindern geführt. Er befragte Kinder zwischen sechs und 13 Jahren in einer sogenannten Vier-Feld-Studie: Kinder aus jeweils gut und schlecht situierten Eineltern- und Zweielternfamilien.

Quelle: www.fuer-eine-heilere-welt.de