Studie: Selbstbilder von Alleinerziehenden

Eine positive Grundhaltung gegenüber der eigenen Lebenssituation, ausgeprägter Bewältigungsoptimismus und hohes Selbstvertrauen verbinden die unterschiedlichen Lebenswelten Alleinerziehender. Zu diesem Ergebnis kommt die im Juni diesen Jahres erschienene Studie „Lebenswelten und -wirklichkeiten von Alleinerziehenden“ der Sinus Markt- und Sozialforschung GmbH. Bewusst wurden ausschließlich die Sichtweisen von Alleinerziehenden mittleren oder höheren Einkommen eingefangen, um das einseitige Bild von Einelternfamilien im Transferbezug zu erweitern. Dafür hat das Sinus-Institut bereits vorliegende Studien ausgewertet und in Gruppendiskussionen 48 alleinerziehende Mütter befragt.

Alleinerziehende beweisen sich als Bewältigungsoptimistinnen, wenn sie alltägliche Anforderungen überwiegend als positive Herausforderungen betrachten und angehen. Alleinerziehende sehen sich als moderne selbstbewusste Frauen, die ihren eigenen Weg gehen und verantwortungsvoll ihren Kindern den Weg in ein gutes Leben ebnen. „Ihr hohes Maß an erlebter Eigenständigkeit erfüllt sie mit Zuversicht und Zukunftsoptimismus. Die Gewissheit, es alleine geschafft zu haben, gibt ihnen Selbstvertrauen“, fassen die Autor/innen zusammen. Zu beobachten ist gleichzeitig eine große Diskrepanz zwischen positivem Selbstbild und erwarteter negativer Fremdwahrnehmung. Das geht auf Erfahrungen zurück: Fast alle Befragten berichteten von direkten oder indirekten Vorbehalten oder konkreten Benachteiligungen. Dies gilt insbesondere für die Suche nach einem Arbeitsplatz.

Als „alleinerziehend“ bezeichnen sich die befragten Mütter selten, was unterschiedliche Gründe hat: Zum einen kennen sie wie geschildert latente Vorurteile gegenüber Alleinerziehenden. Besonders jüngere Frauen auf dem Land berichteten, dass ihnen der „Makel des Scheiterns“ anhafte, beziehungsunfähig oder überfordert zu sein. Sie beschreiben häufiger als Frauen in der Stadt die Schwierigkeit, anerkannt zu werden und Anschluss zu bekommen. Sie machen deutlich, wie wichtig die selbstverständliche Akzeptanz von Alleinerziehenden und ihrer Kinder als eine normale Familienform unter anderen in einer modernen Gesellschaft ist! Zum anderen bewerten die Befragten den Begriff „alleinerziehend“ als irreführend, wenn er lediglich an der Haushaltssituation festgemacht wird: Manche sehen sich nicht als alleinerziehend, da sie in ein gutes soziales Netzwerk eingebunden sind, dass sie im Alltag unterstützt. Andere beschreiben sich trotz neuen Partners im Hauhalt weiter als alleinerziehend, da sie die soziale und finanzielle Verantwortung für die Erziehung tragen.

Die Studie untermauert die hohe Erwerbsneigung Alleinerziehender. Der Beruf nimmt einen zentralen Stellenwert ein. Nicht nur aus der Notwendigkeit der Existenzsicherung heraus, sondern als Teil des Selbstkonzeptes: Für 89 Prozent der alleinerziehenden Mütter ist der Beruf „sehr“ oder „ziemlich wichtig“. Vor allem mit steigender Bildung wächst auch die Bedeutung des beruflichen Erfolgs, im Unterschied zu Müttern in Paarfamilien. Teilzeit ist für Alleinerziehende weniger attraktiv als für Mütter in Paarfamilien. Sie fürchten die Fallstricke wie etwa die Gefahr, keine verantwortungsvollen Aufgaben übertragen zu bekommen, mangelnde Akzeptanz oder andere negative Auswirkungen auf ihre Karriere. Als Ideal wird vollzeitnahe Teilzeit zwischen 30 und 32 Stunden empfunden. Deutlich werden auch die strukturelle Barrieren: Problematisch ist das Nicht-Zusammenpassen von Arbeits-, Betreuungs- und Familienzeiten. Gerade wenn die Kinder kleiner sind, ist die Wahl eines/einer Arbeitgebers/in weniger von der eigenen Qualifikation oder beruflichen Entwicklung geprägt, sondern von der Frage, inwieweit sich Arbeitszeiten, Kinderbetreuung sowie zeitliche und örtliche Erreichbarkeiten unter einen Hut bringen lassen. Zentrales Anliegen der befragten Alleinerziehenden ist die Flexibilisierung von Strukturen mit Blick auf Arbeitszeiten und Betreuung, um ein effizientes Zeitmanagement zu unterstützen. Um den unterschiedlichen Anforderungen gleichermaßen gerecht zu werden: die Kinder zu fördern und Zeit mit ihnen zu verbringen, das Familieneinkommen zu sichern und eigene Freiräume und Entwicklungschancen wahrzunehmen.

Die in der Studie vorgenommenen Zweitauswertungen stellen eine gute Zusammenstellung dar und bieten Stoff für die politische Arbeit, allerdings sind die Reichweite und die Übertragbarkeit des qualitativen Teils begrenzt.

Die Studie ist im Auftrag des BMFSF durchgeführt und im Juni 2011 veröffentlicht worden. Es besteht die Möglichkeit, diese auf den Seiten des BMFSF zu bestellen oder als pdf runterzuladen: www.bmfsfj.de