Ein Schritt nach dem anderen

Ein Schritt nach dem anderen

Ich bin seit dem Ende der dreijährigen Erziehungszeit und nach einer dreimonatigen Wiedereingliederungsmaßnahme vom Job Center als Bürokauffrau in einer kleinen Werbeagentur samt Verlag tätig. Nachdem mein Sohn durch den Kindergarten, den er bereits seit über einem Jahr regelmäßig besuchte, immer „selbstständiger“ wurde, begann ich mich ohne anderweitige Aufgaben außer Haushalt und Kinderbetreuung zu langweilen. Auch merkte ich, dass ich meine beruflichen Fähigkeiten und Kenntnisse an einem Arbeitsplatz einsetzen wollte, um dadurch Bestätigung zu erhalten. Ich habe seit dem Abschluss meiner Berufsausbildung seit 1998 fast durchgehend in meinem gelernten Beruf gearbeitet. Darüber hinaus fehlte es in meinem Leben an Struktur, Motivation für den Alltag und auch an sozialen Kontakten.

Der Arbeitsalltag ist jedoch mit Schwierigkeiten versehen. Es fehlt an Büroorganisation und optimierten Arbeitsabläufen, sowie einer genauen Festlegung von Weisungsbefugnissen, welches zeitweise zu einem schlechten Arbeitsklima führt. Hinzu kommt, dass mein Arbeitgeber für eine Tätigkeit mit 30 Wochenarbeitsstunden lediglich ein geringfügiges Bruttoentgelt unregelmäßig zahlen kann, was bedeutet, dass ich weiterhin Hartz-IV-Leistungen und andere Zuschüsse, wie Wohngeld, Kinderzuschlag usw. beziehen muss. Für mich bedeutet das Ausfüllen der Anträge und Versenden von Bescheiden von der einen Behörde an die andere einen hohen Zeit- und Kostenaufwand. Bis heute hat das Job Center mir die fehlenden Zuschüsse seit meiner Arbeitsaufnahme im März 2010 nicht gezahlt, da meist ein Beleg fehlt, oder durch einen anderen Bescheid sich eine Berechnungsgrundlage ändert und erneut Unterlagen eingereicht werden müssen oder Belege nicht auffindbar sind. Daraus erklärt sich, dass meine finanzielle Situation momentan schwierig ist. All die genannten Unannehmlichkeiten haben bewirkt, dass ich mich an meinem neuen Arbeitsplatz noch nicht vollkommen wohl fühle und angekommen bin.

Als allein erziehende Mutter habe ich Organisation, Verantwortung, Belastbarkeit, Konzentration, Zielstrebigkeit, Disziplin, Improvisation, Durchsetzungsvermögen und Flexibilität gelernt – alles kann ich an meinem Arbeitsplatz einsetzen. Diese Kompetenzen werden von meinem Arbeitgeber auch geschätzt und gefordert. Bereits im Vorstellungsgespräch wurde besprochen, dass ich Urlaub / freie Tage beantragen muss, wenn der Kindergarten geschlossen oder mein Sohn krank ist und keine Betreuung, z. B. durch die Großeltern, gewährleistet werden kann. Diese Zusage durch meinen Arbeitgeber hat ermöglicht, dass ich bereits in der Probezeit drei Wochen Urlaub nehmen konnte, da der Kindergarten geschlossen hatte. Auch Fehltage wegen Krankheit stießen auf Verständnis bei Vorgesetzten und Kollegen. Da meine Eltern im selben Mietshaus wohnen und beide nicht mehr berufstätig sind, kann ich „jederzeit“ auf ihre Unterstützung bei der Betreuung meines Kindes zählen. Dennoch reicht der gesetzliche Jahresurlaub nicht aus, um die Schließzeiten des Kindergartens im Sommer und Winter, wie auch weitere notwendige Termine, wie z. B. Fortbildung der Erzieher/innen im Kindergarten, abzudecken. Außerdem reichen die zwanzig Kinderkranktage nicht aus, um als Mutter beruhigt das Kind nach einer Krankheit als gesund wieder an die Großeltern oder den Kindergarten zu übergeben und wieder an den Arbeitsplatz zurückzukehren. Über das Jahr verteilt können bei Kindergartenkindern viele Infekte und sonstige Krankheiten auftreten.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich gern arbeite und neuen Branchen und Aufgaben gegenüber offen bin. Der strukturierte Tagesablauf bewirkt, dass ich mich besser fühle. Auch mein Sohn weiß, dass Mama arbeiten muss und wir deswegen morgens nicht mehr trödeln können. Dennoch wünsche ich mir eine Beschäftigung, die mich mehr fordert und meine Lebenshaltungskosten deckt und vielleicht den einen oder anderen (kleinen) Wunsch ermöglicht. Alles, was zurzeit noch nicht möglich ist … Mein Motto: Ein Schritt nach dem anderen!

Elke W.

Quelle: VAMV Landesverband Berlin e.V., Infoheft 2/2010, Schöner arbeiten