Zeit mit meinem Sohn ist wichtig für mich

Thema: Vater
Zeit mit meinem Sohn ist wichtig für mich

Das Ende meiner Ehe kam für mich plötzlich. Heute weiß ich, dass es viele Anzeichen dafür gab, dass es nicht so lief, wie es laufen sollte. Ich wollte es nicht wahrhaben und habe meine Augen davor verschlossen. Auch nach der Trennung habe ich an eine zweite Chance geglaubt und mich an diesem Gedanken festgehalten. Ich wollte mir nicht eingestehen, dass unsere Ehe gescheitert war. Es dauerte Monate, bis ich akzeptieren konnte, dass es kein „wir“, kein gemeinsames Leben mehr gab – und blickte auf einen Scherbenhaufen.

Einer der Gründe für das Scheitern unserer Ehe lag zweifellos darin, dass ich zuwenig in unsere Ehe investiert habe. Als selbstständiger PR-Berater habe ich eine eigene Agentur aufgebaut. Das bedeutete Kunden zu akquirieren, eng gesteckte Deadlines einzuhalten, viel Stress und Arbeit am Wochenende. Im Alltag wurde die Zeit zu zweit immer weniger. Wir vermieden es, über Probleme zu diskutieren, haben nicht über unsere Unzufriedenheiten gesprochen, sondern sie unter den Tisch gekehrt. So vergingen Jahre und wir haben aneinander vorbei gelebt.

Eltern bleiben

Als meine Frau vor drei Jahren mit unserem Sohn auszog, war Lukas sechs Jahre alt. Auch wenn wir uns komplett auseinander gelebt haben und es keine Basis für ein weiteres Zusammenleben gab, haben wir unsere Rolle als Eltern Ernst genommen. Die damalige Zeit und auch die Kommunikation miteinander waren zwar schwierig, aber dennoch konnten wir Eltern sein und haben unsere Frustration, unsere Verletzungen und Vorwürfe nicht auf dem Rücken unseres Sohnes ausgetragen. Das war nicht leicht, aber wir haben daran gearbeitet und es geschafft.

Ich habe mein Leben geändert und mein Arbeitspensum in meinem Beruf zurückgeschraubt. Wir haben das gemeinsame Sorgerecht und alle zwei Wochen ist Lukas bei mir und in der Zeit bin ich beruflich weder erreichbar, noch nehme ich Arbeit mit nachhause. Diese berufliche Abgrenzung musste ich lernen, aber sie war ein wichtiger Schritt. Ich wollte für meinen Sohn da sein, miterleben, wie er heranwächst. Mir reichte es nicht, ein Wochenend-Papa zu sein, der mit teuren Geschenken sein schlechtes Gewissen zu kompensieren versucht.

Veränderungen

Die Trennung hat mir die Augen geöffnet und ich habe mich verändert. Mir ist klar geworden, wie wichtig es ist, Zeit mit der Familie zu verbringen. Zugegebenermaßen ist die berufliche Einschränkung nicht immer leicht für mich. Ich kann nicht mehr jeden Auftrag annehmen – aber ich habe mich ganz bewusst dafür entschieden und es nicht bereut.

Vor einem Jahr habe ich meine jetzige Partnerin kennen gelernt und mich verliebt. Der Unterschied zu früher ist, dass ich viel bewusster in die Beziehung gegangen bin. Ich achte darauf, nicht dieselben Fehler zu wiederholen. Vor allem schlucke nicht alles sofort herunter, sondern lerne, über meine Gefühle zu reden. Noch leben wir nicht zusammen, aber wir sind gerade dabei, eine geeignete Wohnung zu finden. Für die fünfjährige Tochter meiner Partnerin und meinen Sohn ist es noch eine Herausforderung und die Rivalität der beiden untereinander spürbar, doch wir hoffen, dass sich dies in Zukunft legen wird. Ich werde mir auf jeden Fall mehr Zeit nehmen und meine Partnerin nicht mehr mit Allem alleine lassen.

Rüdiger B. (der Name wurde geändert)