Internet und Jugend: Online sein macht Sinn

Jugendlichen, die sich häufig im Internet bewegen und viel Zeit vor dem Computer verbringen, wird schnell nachgesagt, sie seien sozial inkompetent und würden zudem ihre Gesundheit gefährden (zu wenig Bewegung, schlechte Haltung, falsches Essen etc.). Niemand wird abstreiten, dass die Nutzung des Internets in Extremfällen negative Auswirkungen auf den physischen und psychischen Zustand haben kann. Wie gesagt: In Extremfällen.

Wer alle jugendlichen Internetnutzer/innen über einen Kamm schert, tut ihnen unrecht. Das Nutzungsprofil kann von einer/m zur/m anderen/m sehr stark abweichen. Häufigkeit und Qualität der von Jugendlichen besuchten Seiten ist sehr unterschiedlich. Diejenigen, die täglich viele Stunden im Internet verbringen, sind nicht zwangsläufig diejenigen, die wertvolle Lebenszeit verschleudern und ihre Fähigkeiten falsch einsetzen – auch wenn das gerne von der „älteren Generation“ behauptet wird.

Internetforen können beispielsweise eine sinnvolle Ergänzung zu einem Hobby sein. Die Internetcommunity eines Sportvereins führt die Jugendlichen auch nach dem Training wieder zusammen und ermöglicht den Interessensaustausch. In vielen Fällen widmen sich Jugendliche auch sozialen oder wissenschaftlichen Projekten im Internet. Ideensammlung und –austausch, Organisation von Treffen, Archivierung und Aufbereitung von Daten – all das geschieht online. Und zwar unkomplizierter, schneller und mit einem wesentliche größeren InteressentTinnenkreis als in internetlosen Zeiten möglich war.

Ein Beispiel ist das Online-Projekt „NRW / Israel: Bei uns…bei euch?“, bei dem sich Jugendliche in Israel und NRW austauschten. Die gesamte Internetseite diente den Teilnehmer/innen als Arbeitsplattform in der Vorbereitung und während des Projekts.  Die Jugendlichen bloggten zudem ihre Erfahrungen und Erlebnisse aus dem Projekt. Der Blog wurde nach Abschluss des Projekts als Projektdokumentation verwendet. Man muss kein/e Expert/in sein, um erkennen zu können, dass dieses Projekt ohne die Möglichkeiten, die das Internet bietet, niemals oder zumindest nicht in dieser Form und diesem Umfang zu Stande gekommen wäre.

Bevor Jugendliche allzu schnell verurteilt werden, sie würden ihre Zeit vor dem Computer sinnlos vergeuden, hilft vielleicht ein kleiner Blick über die Schulter. Ein größerer Blick hilft bestimmt noch mehr.