Deutschland, oh kinderfreundliches Land

Thema: Alltag

Wie viel Lärm tagsüber in einem Wohngebiet zulässig ist, ist in Deutschland genausten geregelt. Kinderlärm auf Spielplätzen übersteigt die zulässige Richtschnur und deshalb können Anwohner klagen. Wie ein Fall in Berlin zeigt. Dort musste eine Kita aus ihren Räumen ausziehen, weil ein Nachbar wegen des Kinderlärms vor Gericht gezogen war. Auch in Hamburg waren bereits ähnliche Klagen erfolgreich.

Dies will die Berliner SPD jetzt ändern. Juristische Klagen gegen Kinderlärm sollen in Berlin künftig zum Scheitern verurteilt sein und die Berliner SPD hat eine entsprechende Änderung des Landesimmissionsschutzgesetztes beschlossen. Darin soll es nun heißen: „Lärm von spielenden Kindern ist als sozial adäquate Lebensäußerung von Kindern und aus Erhaltung kindgerechter Entwicklungsmöglichkeiten grundsätzlich zu tolerieren.“ (Berliner Morgenpost, 4. August 2009) Die Gesetzesänderung soll im Herbst im Berliner Abgeordnetenhaus verabschiedet werden.

In Deutschland im Jahr 2009 hört sich die Begründung wie folgt an: „Wir wollen nicht, dass Kinderlärm mit Autolärm oder Presslufthämmern gleichgesetzt wird“, sagte die jugend- und familienpolitische der SPD-Fraktion, Sandra Scheeres. „Es ist wichtig, dass Kinder toben können. Deshalb gehört Kinderlärm zum Leben. Er ist normal.“ (Berliner Morgenpost) Übrigens: Nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz sind Kirchenglocken von den Lärmvorgaben ausgeschlossen. In Bayern gilt diese Regelung auch für Biergärten.
Deutschland, oh kinderfreundliches Land.