Was sind uns Erzieherinnen wert?

Thema: Bildung

Erzieher/in oder Grundschullehrer/in? Die Frage nach der Berufswahl ist für Abiturient/innen, die sich für die Arbeit mit Kindern interessieren, leicht beantwortet. Ein Blick auf das Gehalt genügt und die Entscheidung schnell gefällt: Grundschullehrer/innen verdienen im Durchschnitt 1000 Euro brutto mehr. Warum sich also für einen Beruf entscheiden, der schlecht bezahlt wird und gesellschaftlich nicht die Anerkennung findet, die er verdient?

An dieser Grundsituation ändert sich auch nach dem Kompromiss im Tarifkonflikt an Kindertagesstätten nichts, doch er ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Die gestern getroffene Einigung sieht Gehaltssteigerungen – durchschnittlich 120 Euro mehr im Monat - und einen verbesserten Gesundheitsschutz für die rund 220 000 Beschäftigten in kommunalen Kindergärten und Sozialeinrichtungen vor. Außerdem vereinbarten beide Seiten einen neuen Tarifvertrag zum Gesundheitsschutz. Künftig soll es einen Rechtsanspruch auf eine Gefährdungsanalyse für jeden Arbeitsplatz geben.

Die besseren Arbeitsbedingungen und das höhere Gehalt bringen zwar noch keine entscheidende Trendwende, aber sie können helfen, den Beruf der Erzieherin aufzuwerten. Dies ist auch nötig, denn Deutschland steuert auf einen Erzieherinnenmangel hin. Nach Schätzungen von Expert/innen werden in den kommenden Jahren bundesweit zwischen 30 000 und 50 000 Erzieherinnen zusätzlich gebraucht. Denn ab 2013 gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz vom ersten Lebensjahr an (bisher ab drei Jahren).

Der jetzt getroffene Kompromiss ist zwar „ein erster Schritt in die richtige Richtung“, wie Ilse Schaad, Verhandlungsführerin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sagte. Doch ein Grundproblem ist nicht beseitigt worden: Typische Frauenberufe wie Erzieherin werden nach wie vor schlechter entlohnt wie typische Männerberufe. Es gibt noch viel zu tun...