Familienunternehmen Mestemacher ehrt Spitzenväter

Thema: Vater

Rein körperlich gesehen gehört Volker Frink eher zu den ganz Großen, doch wenn es um seinen Einsatz für und innerhalb der Familie geht, dann macht sich der Vater zweier Pflegekinder klein. "Ich glaube nicht, dass ich diesen Preis verdient habe", resümierte Frink kurz nachdem er mit dem Mestermacher-Preis "Spitzenvater des Jahres 2014" gekürt worden war. "Ich werde für etwas geehrt, das ich schon immer machen wollte - mich um meine Familie kümmern", sagt er in aller Bescheidenheit. Frink ist Zentralheizungs- und Lüftungsbauer, seine Frau leidenschaftliche Bankerin. Damit sie beruflich nicht zurückstecken muss, kümmert sich der 47-Jährige seit etwa zehn Jahren als Vollzeitvater um seine beiden Adoptivsöhne und zudem die pflegebedürftige Schwiegermutter. Für Laudatorin Dr. Sigrid Evelyn Nikutta, selbst Vorstand der Berliner Verkehrsbetriebe  und mehrfache Mutter, ein Mann, "von dem die Frauen träumen." Mit Liebe und Fürsorge sei er für seine Familie da und halte alle Fäden in der Hand.

Neben Volker Frink wurden im Rahmen der Mestermacher-Preisverleihung im Berliner InterConti noch Tiermediziner Dr. Johannes Knubben und der vierfache Familienvater und Mann der Top-Managerin Ines Kolmsee, Dr. Karl Reinhard Kolmsee, geehrt. Zum nunmehr 9. Mal verlieh die Mestermacher Gruppe, Großbäckerei für Vollkornbrote, den Titel "Spitzenvater des Jahres" und würdigt damit Männer, die sich in besonderer Weise für die Zweiversorgerfamilie einsetzen. "Zur Stärkung der Leistungsgesellschaft werden qualifizierte Frauen und Männer sowie Kinder benötigt", sagt die Initiatorin des Projektes, Prof. Dr. Ulrike Detmers. Voraussetzung der Vereinbarkeit von Elternschaft und Erwerbstätigkeit sei das praktizierte partnerschaftliche Ehe- und Familienmodell. Noch vor einigen Jahren wurde sie  für ihr Engagement für das Elterngeld und mehr Vätermonate  belächelt, sagt sie, heute sei das Thema "trendy geworden." Väter seien stolz auf ihre neue Rolle, genießen es, im Rampenlicht zu stehen und fordern neue Arbeitszeit-Modelle.

Allerdings, darauf verwies Bundesfamilienministerin und Schirmherrin der Veranstaltung, Manuela Schwesig, in ihrer Rede, bedarf es noch mehr dieser Väter und dafür in der Gesellschaft Respekt und Wertschätzung. Es sei noch nicht selbstverständlich, Frauen bei der Kindererziehung zu unterstützen. Gerade deshalb sei es wichtig, über diese Väter zu reden, auch wenn kaum einer über Frauen spricht, die tagtäglich dasselbe leisten. 60 Prozent der Paare mit kleinen Kindern wünschen sich ein partnerschaftliches Modell, doch nur 14 Prozent gelinge es, diesen Wunsch in die Tat umzusetzen. Ursachen sieht Schwesig vor allem in der gesellschaftlichen Anerkennung, den nach wie vor existierenden Lohnunterschieden und vielen Hindernissen in der Arbeitswelt. Ihr erklärtes Ziel ist es, partnerschaftliche Ansätze künftig stärker zu unterstützen, etwa durch den Ausbau des Elterngeldes zu einem ElterngeldPlus oder einer Familienarbeitszeit.

Der Soziologe und Männerforscher Prof. Dr. Walter Hollstein nutzte die Preisverleihung für einen Rückblick und verwies auf das sich verändernde Männerbild. Noch bis in die 70er Jahre hatten Männer und Väter die "Definitionsmacht" und bestimmten über Kinder, Ehe und Familie. Erst 1977 kippte der Bundestag ein Gesetz, wonach verheiratete Frauen für die Umsetzung eines Erwerbswunsches die Erlaubnis des Gatten benötigten. Galten früher Männer als Erfrinder, Entdecker, Waise oder Heilige, so verkehre sich dieses Bild nun ins Gegenteil. Heute werden in Männern oft Zerstörer, Kriegstreiber oder Gewalttäter gesehen. Hollstein verwies aber auch auf die Bedeutung der Väter für ihre Kinder. Deshalb sei eine stärke Beteiligung von Vätern wünschenswert. Zudem fühlten sich viele junge Männer heute ob der hohen Selbständigkeit und Entscheidungsfreiheit der Frauen überflüssig, nicht mehr gebraucht, sagt er. Das lasse sich auch an Statistiken ablesen. Immer weniger junge Männer tragen sich mit einem Kinderwunsch.

Die Gesellschaft muss jungen Menschen daher politisch, ökonomisch und soziale Perspektiven anbieten, die sie von ihren Ängsten und Nöten entlasten, fordert der Soziologe. Auf diesem Weg sei auch die Mestermacher-Preisverleihung  und Würdigung von familienbewussten Vätern ein Baustein.

Solveig Schuster, Journalistin, stellvertretende Vorsitzende VAMV Bundesverband