Familienarbeitszeit…..

Kategorie: über Leben

Da ist es: Manuela Schwesig will was ändern und fängt sofort damit an. – Ich bin froh, dass es jetzt diese Familienministerin ist, die – und ich empfinde es als wohltuend – dieses wichtige Ressort nicht als Gedöns versteht und dafür auch „Qualifikationen“ mitbringt. Nicht zuletzt das Muttersein ;-)…..Das Thema „Familienarbeitszeit“ ist raus und zur Diskussion freigegeben. Dass die Wirtschaft und die CDU „Unmöglich!“ schreit, adelt das Ganze, denn damit hat Manuela Schwesig einen DER Nerven in unserer Gesellschaft getroffen. Vor allem den der Familien.

Aber ich gestehe: Auch wenn das eindeutig in die richtige Richtung geht, ist das bestimmt nicht der Weisheit letzter Schluss. Es wird leider nicht so sein, dass Väter und Mütter gleichberechtigt von dieser Familienarbeitszeit Gebrauch machen werden. Zumindest nicht sofort. Und selbst wenn: Die Arbeitgeber erwarten weiterhin von uns Frauen und  Müttern, dass WIR die wahrnehmen. – Und dann kommt wieder zum Zuge, was meine Freundin mal richtig sagte: „Der Kündigungsschutz – der schützt nur die, die ihn haben. Sobald man rausgefallen ist, tut er genau das Gegenteil!“ Will heißen: Erst einmal braucht man einen Job – unbefristet -, der einen davor schützt, gekündigt zu werden und mit dem man sich traut, all diese wunderbaren Rechte in Anspruch zu nehmen. Und WER ist dafür verantwortlich, dass mein Arbeitsverhältnis irgendwann zu einem besser geschütztem wird: Richtig – der Arbeitgeber!

Und die verhalten sich ja jetzt schon so, als ob Mutterschutz und Elternzeit den Betrieb und das Abendland in den Untergang führen. Es ist einfach schwerer als Frau, an einen gut bezahlten Job in der eigenen Qualifikation zu kommen. Weil man ja familienbedingt ausfallen könnte. Damit dieses Stigma sich auflöst, müssten mehr Väter konsequent von ihrem Recht auf Eltern- und Teilzeit Gebrauch machen. Dass sie es nicht tun, liegt an den Karrierenachteilen, die auch sie treffen, wenn sie sich für diesen Weg entscheiden.

Also ist die Diskussion um die Familienarbeitszeit gut und richtig, denn sie stellt die Frage nach der Verantwortung der Gesellschaft für die Kinder. Und damit danach, dass Familie nicht nur Privatsache ist. – Doch so wie jetzt angesprochen, macht mich die Diskussion skeptisch. Würde die Familienarbeitszeit genau so jetzt umgesetzt werden, wäre das vermutlich zum weiteren Schaden der Frauen und Mütter auf dem Arbeitsmarkt.

Wir kommen nicht weiter, wenn sich nicht unsere Einstellung zu „Familie“ ändert: Väter und ihre Präsenz sind für Familien so wichtig wie die der Mütter. Tolle Betreuungsangebote erschöpfen sich da, wo die Kinder einfach auch mal ihre Eltern brauchen. Ausgeruht, nicht gestresst. Und Kinder, die zu verantwortungsvollen Bürgern erzogen werden, sind einfach mal die Basis dieser Gesellschaft. Aber diese Veränderung unserer Einstellung dazu – das liegt in der Natur der Sache – ist ein Prozess und geht leider nicht von heute auf morgen.

Also muss etwas anderes her. Der Ausgleich aus den Steuergeldern ist schon richtig. Das geht uns alle an. Aber der muss sofort her, auch wenn noch nicht alle den offenen Blick auf Familie haben. Dafür wachsen hier einfach zu viele Kinder in Armut auf.

Und da bin ich auch wieder bei der Kindergrundsicherung. Die hat nämlich nix mit der Verfügbarkeit für den Arbeitsmarkt zu tun. Die hat einfach was damit zu tun, dass jedes Kind das Recht auf auskömmliches Aufwachsen und Bildung hat. Und dass dafür auch die Gesellschaft verantwortlich ist. Und Mütter und Väter müssten sich nicht jetzt schon sagen lassen, dass sie Geld vom Steuerzahler für das Nixtun bekämen!

Naja: Ich weiß, auch das ist noch nicht ganz ausgegoren. Aber wir diskutieren darüber und das ist gut so!