Das Jobwunder!

Kategorie: Doppelleben

Geht es Euch auch so, dass Ihr manchmal Nachrichten lest und denkt: In welcher Welt findet das eigentlich statt? Irgendwie nicht in meiner, denn es hat so wenig mit dem zu tun, was ich um mich herum wahrnehme.

Beispiel: Das Jobwunder! Das brummt nämlich gerade nur so und die Agentur für Arbeit weiß zu vermelden, dass inzwischen auch nur der keinen Job hat, der einfach nicht gut genug qualifiziert ist. Ist klar: Es ist natürlich die Schuld des/der Betroffenen, wenn er keinen Job hat. Nicht genug interessiert, faul - unqualifiziert.

Und ich denke mal wieder: Viele, viele Fehler im Bild!

Also: Ganz besonders wenn es um Frauen geht, ältere – besonders die über 50 –, oder um Frauen, die geboren haben oder die gebären könnten, seh’ ich ganz viele, die hervorragend qualifiziert sind und irgendwie den Fuß jobmäßig nicht (mehr) richtig auf den Boden bekommen. Aber, ach nein, dummes Ich: Die nehmen ja dann meist irgendeinen Job an als hochqualifizierte, studierte Sekretärin. Im Call Center. Freiberuflich mit alleinigem Risiko und meist leider auch nicht auskömmlich. DIE sind ja alle in Lohn und Brot und profitieren vom Jobwunder.

 Ich glaube, die Tatsache, dass viele inzwischen von ihrem Lohn nicht mehr leben können und aufstocken, ist für die Bundesagentur in ihrer Statistik auch nicht so wichtig. Denn DIE arbeiten doch. Uninteressant, dass es finanziell eigentlich wurscht ist, ob oder ob nicht. Und wie anstrengend es ist, zusätzlich zum 30/40-Stunden-Job immer genau zu überlegen, WO genau man günstig einkaufen kann, um über die Runden zu kommen und überhaupt: Die Sorgen, je näher das Monatsende kommt! Alleine die sind wahnsinnig anstrengend. Von der Angst gar nicht zu reden.

Da bleibt einem dann auch bei diesem Witz das Lachen im Halse stecken: Tolle Nachrichten, 100.000 neue Jobs in Deutschland! - Ja, *freu, und ich hab drei davon!

Also, ICH würde gerne von einem Jobwunder sprechen, wo Arbeitgeber tatsächlich sich mal Erfahrungen und Qualifikationen anschauen und dann feststellen müssten, dass sie mit über 50jährigen einen Schatz an Erfahrungen gehen lassen, der überhaupt nicht zu ersetzen ist. Und den sie dann auch nur annähernd angemessen zu bezahlen bereit sind. Die ihr Unternehmen nicht auf die junge Generation Praktikum aufbauen, weil die einfach nix kosten. Ohne Interesse daran, dass sie die dann auch schon sukzessive für das prekäre Leben später und für Altersarmut qualifizieren.

Neee, ich seh das Jobwunder nicht.

Und deshalb hat mich die Nachricht vom Jobwunder nicht vom Hocker gerissen. Euch? - Ich lass mir da gerne was erzählen und in diesem Punkt hätte ich gerne hocherfreut Unrecht.