Es gibt noch so viel zu tun

Thema: Politik

Heute hat Bundesministerin von der Leyen den neuen Familienmonitor vorgestellt. Das Controlling-Instrument für die eigene Politik zu "Geld", "Zeit", "soziale Infrastruktur" und "Familienkompetenz" wird regelmäßig in Form von repräsentativen Umfragen durch das Allensbach-Institut bedient. Bei der aktuellen Befragung der Bevölkerung hat sich Allensbach erkundigt, wie stark Familien von der Wirtschaftskrise betroffen sind, wie sie damit zurechtkommen und wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eingeschätzt wird.

Keine Katastrophenstimmung: 36 Prozent der befragten Erwerbstätigen (auch die ohne Kinder) geben an, im Betrieb etwas vond er Krise zu spüren. Mütter geben nur zu 25 Prozent an, bei ihren Arbeitgeber/innen Auswirkungen der Krise zu bemerken. 60 Prozent geben an, es gebe bisher keine Einschränkungen wegen der Krise. Im Gegenteil: "Eine deutliche Mehrheit der Befragten sagt, dass sich seit 2005 die "Bedingungen für Familien mit Kindern verbessert haben"." (Pressemitteilung BMFSFJ Nr. 416/2009).

Interessant für die Gruppe der Einelternfamilien, denen die Ministerin mit einem speziellen, aber nicht näher definierten "Förderpaket" (Familienmonitor, Vorwirt S. 2) helfen will, ist die Frage: Um welche Gruppe sollte sich der Staat besonders kümmern? "70 Prozent halten die Unterstützung von Alleinerziehenden für besonders wichtig" (Familienmonitor, S. 27). Das ist ein Statement, das seit vielen Jahren immer wieder zitiert wird. Es ist nun wirklich schade, dass sich nirgends ein konkreter Hinweis für dieses der Ministerin "am Herzen liegende" (Familienmonitor, Vorwort S.2) Förderpaket für Alleinerziehende finden lässt. Paket klingt ja nach richtig viel - mehr als Päckchen. Leider haben sich nämlich für Alleinerziehende die Bedingungen eher nicht verbessert - sie sind bei den bisherigen Maßnahmen der Bundesfamilienministerin wie Elterngeld und Kinderzuschlag auch nicht die primäre Zielgruppe gewesen. Daher klingt die Ankündigung eines speziellen Pakets wie eine Ankündigung einer Fahrt ins Blaue: Irgendwie raus, aber man weiß nicht genau wohin.

Am besten wäre für Alleinerziehende ein "Zeit-"Paket, denn 56 Prozent klagen insgesamt über sehr häufigen oder häufigen Zeitstress (Familienmonitor, S. 13), bei zusammen lebenden Eltern sind das aber auch 45 Prozent - also bräuchten auch sie mehr Zeit, um alle ihre Angelegenheiten in Beruf und Familie zu regeln. Das Schwierige an mehr Zeit ist, dass man sie ohne Geld nicht sinnvoll nutzen kann - deshalb nützen Zugaben bei der Elternzeit Alleinerziehenden nichts - sie bräuchten grundsätzlich mehr Geld. Sie bräuchten mehr Existenz sichernde Arbeitsplätze, eine Grundsicherung für ihre Kinder und ausreichend Betreuung in Kita und Schule. Der Ausbau der Betreuung geht langsam vorwärts - die anderen Maßnahmen müssten erst einmal eingeführt werden, um dann von Allensbach bezüglich ihrer Zufriedenheitswerte abgefragt werden zu können.