Alleinerziehende spülen von Hand

Thema: Politik

Die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2008 des Statistischen Bundesamtes fördert interessante Ergebnisse zutage. Die Erhebung geht auf die Ausstattung privater Haushalte ein und ermöglicht es damit, ein Abbild der Lebensrealität der Familien und Singles in Deutschland abzugeben. Alleinerziehende stellen 3,2 Prozent aller Privathaushalte in Deutschland dar (2003: 4 Prozent), was unter anderem mit der Zunahme an Single-Haushalten (zu denen auch Senioren gehören) und rückläufiger Bevölkerungsentwicklung zusammenhängt.

Alleinerziehende verfügen überdurchschnittlich häufig über ein Mobiltelefon (95 Prozent der Haushalte) gleiches gilt für Paare mit Kindern. Insgesamt ist der Anteil der Festnetztelefone rückläufig.

Das verbreitete Vorurteil, Familien würden vom Kindergeld oder anderen finanziellen Leistungen Flachbildfernseher kaufen, kann das statistische Bundesamt ausräumen. Nur 16 Prozent aller Haushalte in Deutschland verfügen über ein solches Gerät. Es kann demnach durchaus noch etwas Kindergeld gezahlt werden ohne zu riskieren, dass alle Familien sich mit Plasma-TV ausstatten. Dagegen findet sich in mehr als 90 Prozent aller Paarfamilien mit Kindern und in 83 Prozent aller Haushalte von Alleinerziehenden ein DVD-Player. Ein Indiz für ein mangelhaftes Fernsehprogramm? Sicher ist: Alleinerziehende hören gern unterwegs Musik, denn in über der Hälfte dieser Familien gibt es einen MP3-Player.

Die Haushalte von Alleinerziehenden sind vergleichsweise schlecht mit modernen Haushaltsgeräten ausgestattet. Alleinerziehende haben zu geringeren Anteilen als Paare mit und ohne Kinder einen Wäschetrockner (38 Prozent im Vergleich zu über 60 Prozent bei Paaren mit Kindern). Fast 90 Prozent der Paare mit Kindern verfügen über eine Spülmaschine. Demgegenüber stehen nur etwa 60 Prozent der Alleinerziehenden, die eine Spülmaschine haben, der Rest spült von Hand.

Deutlichere Unterschiede finden sich zudem bei der Wohnsituation. Alleinerziehende wohnen nur zu geringen Anteilen in einem eigenen Haus. Paare mit drei uns mehr Kindern stellen dabei die Gruppe mit den höchsten Anteilen an Wohneigentum gefolgt von Paaren mit weniger Kindern und Paaren ohne Kinder (jeweils mit Anteilen über 50 Prozent). Alleinerziehende verfügen zu weniger als 20 Prozent über eine eigene Wohnung oder ein eigenes Haus. Sie wohnen zu überwiegenden Anteilen zur Miete. Vergleicht man die Wohnflächen von Einelternfamilien und Paarfamilien, wird deutlich, dass die Quadratmeteranzahl, die den Kindern zur Verfügung steht, sich kaum unterscheidet. Alleinerziehende sparen eher am eigenen Wohnraum und haben hier im Vergleich weniger Quadratmeter zur Verfügung.

Die benachteiligte Einkommenssituation Alleinerziehender gegenüber Paaren mit Kindern zeigt sich demnach vor allem an der Wohnsituation, und gegebenenfalls im Zusammenhang damit an der Ausstattung mit Haushaltsgeräten. Darüber hinaus wird deutlich, dass pauschale Aussagen über das Konsumverhalten von armen Familien angesichts der vorliegenden Zahlen an Zynismus grenzen.

veröffentlicht in: Informationen für Einelternfamilien Nr. 3/2009