Mutter-Kind-Kuren: Endlich einheitliche Bewilligungspraxis

Thema: Kuren

Spätestens wenn Mütter denken, sie können nicht mehr, wird es Zeit an sich selbst zu denken: Eine Kur kann dann genau das Richtige sein, um Abstand vom Alltag zu gewinnen, die Batterien aufzuladen und zu sortieren, was sich ändern muss, um Belastungen und Ressourcen im Alltag in ein Gleichgewicht zu bekommen. Zwar besteht ein Rechtsanspruch auf eine dreiwöchige Mutter-Kind-Kur, doch die Bewilligungspraxis der Krankenkassen unterläuft diesen. Die Ablehnungsquote liegt bei über 30 Prozent, die Gründe sind nicht immer nachvollziehbar: Als willkürlich, restriktiv und intransparent, kritisierte im vergangenen Sommer der Bundesrechnungshof das Vorgehen der Kassen.

Das soll nun besser werden: Anfang Februar haben sich der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen, der Bundesverband Deutscher Privatkliniken und das Müttergenesungswerk auf eine verbesserte Begutachtungsrichtlinie für Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen verständigt. Die neuen Regelungen sollen eine einheitliche und nachvollziehbare Praxis der Krankenkassen sicherstellen. Es ist nun eindeutig festgelegt, dass der Grundsatz „ambulant vor stationär“ für Kuren nicht greift. Familiäre Belastungsfaktoren werden konkret benannt: Trennung von Partner/in, ständiger Zeitdruck, finanzielle Sorgen oder Mehrfachbelastungen durch Beruf und Familie gehören dazu. Auch alleinerziehend zu sein ist explizit aufgeführt. Dass eine aktuelle Erziehungsverantwortung sich auch auf Kinder in Patchworkfamilien bezieht, wurde klar gestellt.

Mütter oder Väter, die bei der Krankenkasse eine Kur beantragen wollen, müssen erstens eine medizinische Diagnose vorweisen und zweitens familiäre Belastungsfaktoren benennen. Dafür brauchen sie ein ärztliches Attest. „Je genauer und ausführlicher das Attest, desto besser“, betont Anne Schilling, Geschäftsführerin des Müttergenesungswerkes. Zu empfehlen ist, dass auch familiäre Belastungsfaktoren bereits im Attest benannt werden, so dass deutlich wird, dass die Mütter/Väter aus ihrem Alltag raus müssen.

Das Müttergenesungswerk bietet bundesweit in über 1.400 Beratungsstellen Unterstützung dabei, einen Kurantrag zu stellen, eine geeignete Einrichtung zu finden oder eine Lösung zu finden, wie die Kinder während einer Kur versorgt werden können, wenn sie zu alt sind um mitzufahren.

www.muettergenesungswerk.de