Plädoyer für eine starke Lebensform

Plädoyer für eine starke Lebensform

Weder Heldin noch Opfer, weder bessere noch schlechtere Mütter: Alleinerziehende gibt es nur im Plural, tatsächlich sind sie so unterschiedlich wie andere Mütter auch. Christina Bylow wirft in ihrem Buch „Familienstand: Alleinerziehend. Plädoyer für eine starke Lebensform“ einen genauen Blick auf die vielfältigen Lebensrealitäten von Alleinerziehenden.
Die Berliner Journalistin lässt Alleinerziehende selbst zu Wort kommen. Defizitären Klischees stellt sie Lebensgeschichten gegenüber, die von Kindern und deren Vätern, Liebe und Enttäuschung, Durchhaltekraft, Mut und Optimismus handeln. Pointiert und unterhaltsam spannt Bylow mit Kapiteln zu Leben, Trennen, Patchwork, Wohnen, Geld und Recht einen umfassenden Bogen. Auch das neue Unterhaltsrecht und die anstehende Neuregelung des Sorgerechts für unverheiratete Eltern werden vorgestellt.

Das Buch ist kein Gute-Mütter versus Böse-Väter-Buch. Die Autorin zeichnet ein differenziertes Bild. Ihr Appell an Väter: Nicht nur auf Rechte pochen, sondern diese auch einlösen! Gemeint ist konkret: Sich um die Kindern kümmern und für sie zahlen. Die große Stärke des Buches liegt darin, Lebensgeschichten an die gesellschaftlichen Strukturen zurückzubinden, welche die Weichen für vermeintlich individuelle Entscheidungen gestellt haben: Bylow macht beispielsweise deutlich, wie gerade nach der Geburt des ersten Kindes Vorstellungen über die Aufgabenteilung zwischen den Geschlechtern auseinander driften können. Wie ein zwar überholtes, aber politisch gefördertes Familien- und Mutterbild zum Trennungsrisiko für Paare wird. Und sieht den Staat in der Pflicht, mit einer modernen Familienpolitik gegenzusteuern.

Ihr Fazit: Alleinerziehende sind keine Restfamilie. Sondern eine normale Familienform neben anderen. Allerdings steht sie nicht unter dem besonderem Schutz des Staates. Im Gegenteil: Gesellschaftliche Ungerechtigkeiten gegenüber Eltern wirken sich bei Alleinerziehenden stärker aus als bei Zweielternfamilien. Hier muss nachgebessert werden: Alleinerziehende brauchen eine Familienpolitik, die sie unterstützt und ein gesellschaftliches Klima, das sie stärkt. Ein kluges, unterhaltsames und lebensnahes Plädoyer für die Familienform Alleinerziehend. Lesen!