Eltern in Zeitnot

Thema: Politik

„Mehr Zeit für Kinder und Eltern“ war das Thema des dritten Frankfurter Familienkongresses. Zeit ist zurzeit überall ein Thema: Elternzeit, Zeitkonten, Lebenszeit, Zeitgeist, schlechte Zeiten, flexible Arbeitszeiten, Kinderbetreuungszeiten. Und jetzt der Begriff, der in letzter Zeit überall auftaucht: Die Familienzeit. Die haben wir nämlich alle zunehmend nicht mehr in ausreichendem Maße. Immer mehr Mitmenschen, weil sie gar keine Kinder haben und wir Eltern oft nicht, weil wir arbeiten müssen.

Was brauchen Familien? Das fragte schon der siebte Familienbericht der Bundesregierung und eine der Antworten war laut Deutschem Jugendinstitut: „Zeit ist eine bislang zu Unrecht vernachlässigte zentrale Ressource für Familienleben. Die Zeitstrukturen der Gesellschaft sind hierauf auszurichten – und nicht umgekehrt die Zeitstrukturen der Familie an andere Institutionen anzupassen“.

Dazu passt sehr gut, was Michael Burbach, Geschäftsführer des Vereins zur Förderung betrieblicher und betriebsnaher Kindereinrichtungen, laut Frankfurter Rundschau auf dem Familienkongress sagte: „Unternehmen sollen von ihren Mitarbeitern fordern, sich als Väter einzubringen und Familienzeit in Anspruch zu nehmen und zwar verpflichtend. Nur so lässt sich eine Firmenkultur ändern.“ Wünschenswert wäre, dass auch Unternehmen von ihren Mitarbeiterinnen fordern müssten, sich als Mütter einzubringen. Nur so lassen sich die Gesellschaftsstrukturen ändern. Denn die Probleme, die Alleinerziehende angeblich haben, sind gar nicht speziell ihre Probleme, sondern solche, die alle Eltern und insbesondere alle Frauen im Beziehungsgeflecht Kinder und Arbeit haben.

Dies wurde auch bei der Podiumsdiskussion im Rahmen des dritten Frankfurter Familienkongresses sehr deutlich: Wie die Frankfurter Rundschau berichtet, waren sich da die Teilnehmer/innen der Podiumsdiskussion einig: "Wir können nicht über die Kitas die Männerherrschaft brechen" wird Gisela Erler, Gründerin eines Beratungsunternehmens für Work-Life-Balance, zitiert. Und Michael Burbach nannte eine Betriebskita „eine Solidaraktion von Frauen, um anderen Frauen das Arbeiten zu ermöglichen.“ Der Effekt sei, dass Männer so weitermachen könnten wie bisher.

Und genau das ist nicht der richtige Weg. Es muss selbstverständlich werden, dass Väter zu gleichen Anteilen wie Mütter Familienarbeit übernehmen. Daran muss sich die Arbeitswelt anpassen. Dann wird es auch mehr Zeit für Kinder und Eltern geben.