Elternrecht und Kindeswohl - hochstrittige Eltern und die Gerichtspraxis (von Andrea Brebeck)

Thema: Kind | Recht | Sorgerecht

Das Bundesverfassungsgericht hat sich erneut mit dem Sorgerecht der biologischen Väter auseinandersetzen müssen. Ich möchte im Rekurs auf diese Entscheidung vom 21. Juni 2010 (1 BvR 420/09) einige Ausführungen zum Zusammenhang von Hochkonflikthaftigkeit in Elternbeziehungen und Kindeswohl darlegen.

Als Verfahrensbeiständin und Sachverständige in familiengerichtlichen Angelegenheiten habe ich in Kooperation mit dem systemischen Therapeuten Frank Schlömer das Institut für Familienberatung gegründet. Seit mehreren Jahren beschäftigen wir uns mit dem Thema Hochkonflikthaftigkeit in gerichtlichen und außergerichtlichen Kontexten. In unserem kommunikativen Austausch mit hochkonflikthaften Eltern entdecken wir sowohl Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten bei den Müttern und Vätern. Allen diesen Familien ist gemeinsam, dass die Kinder darunter leiden, wie ihre Eltern in dieser Weise miteinander gebunden sind. Eines unserer Hauptanliegen ist die Kinder in den Fokus zu nehmen mit dem Ziel, Ruhe für die Kinder zu finden.

Das Bundesverfassungsgericht hat beschlossen, dass es das Elternrecht eines Vaters grundsätzlich verletzt, wenn er von der Sorgetragung durch den Willen der Mutter ausgeschlossen wird, er grundsätzlich ihre Zustimmung benötigt und er nicht gerichtlich überprüfen lassen kann, ob dies dem Kindeswohl entspricht. Ab sofort kann nun der Vater eines nichtehelichen Kindes bei Gericht überprüfen lassen, ob eine gemeinsame Sorge oder die alleinige Sorge (für ihn) den Kindeswohlinteressen entsprechen.

In der Entscheidung heißt es weiter, dass eine gemeinsame Sorge in Bezug auf die Kindesinteressen voraussetzt, dass bei beiden Eltern eine Bereitschaft vorhanden sein muss, Verantwortung zu tragen. Das bedeute einen Aufbau einer persönlichen Beziehung zum Kind und ein Mindestmaß an Übereinstimmung zwischen den Eltern. Fehle es an einer Bereitschaft oder an einem Vermögen zur Kooperation, dann laufe dies den Kindesinteressen zuwider.

Was bedeutet aber im Hinblick auf eine Überprüfung des Kindeswohls ein Mindestmaß an Übereinstimmung zwischen den Eltern? Wie viel Konsens ist nötig und wie viel und wie lange ist Streit in den Aushandlungsprozessen zwischen den Eltern für Kinder erträglich? Diese Fragen versuche ich regelmäßig zu klären und sie dem Gericht darzulegen.

Den vollständigen Artikel findet ihr in der aktuellen Ausgabe der "Informationen für Einelternfamilien".