Ein schwieriger Weg

Thema: Mutter
Ein schwieriger Weg

Ich habe zwei Ehen hinter mir – es hat nicht sollen sein. Meine erst Ehe ging 1984 zu Bruch, 1985 bekam ich meine Tochter (7) und meinen Sohn (5) zugesprochen. Ende 1992 lernte ich meine zweite Frau kennen. Aus dieser Ehe gingen zwei Söhne hervor, heute 17 und fast 16. Meine damalige Frau kam mit meinen Kindern aus erster Ehe nicht zurecht. Sie stellte mich daher vor die Wahl, entweder gehen meine Kinder oder unsere Ehe ist aus. Das war die schwierigste Entscheidung meines Lebens: Ich musste mich zwischen meinen älteren und meinen jüngeren Kindern entscheiden. Unmöglich! Entschieden haben es dann schließlich meine älteren Kinder. Meine Tochter ging ins betreute Wohnen und mein Sohn zog zu seiner Mutter, bis er sie besser kannte. Er zog dann aber nach drei Monaten wieder aus und nahm sich eine kleine Wohnung. Mit seinen 17 Jahren finanzierte er alles selbst: Neben dem Kindergeld trug er Zeitungen aus und arbeitete an den Wochenenden in einer Autowaschstraße.

Wir packen die schulischen Probleme an

Nach drei Wochen warf mich meine Frau raus. „Ich wollte euch nur auseinander bringen“, waren ihre letzten Worte. Meine jüngeren Kinder wurden dennoch gemeinsam von uns versorgt. Sie wechselten zwischen uns hin her. Als die Schulzeit begann, machte sich meine Ex-Frau (Scheidung 1997) selbstständig und ich übernahm für drei Jahre alle Belange meiner Söhne und zwei weiterer Kinder. Am Ende der ersten Klasse wurde bei dem Älteren eine Lese- und Rechtschreibschwäche festgestellt und es sah so aus, als würde er in der zweiten Klasse scheitern. Rat und Hilfe erhielten wir zum Glück von der Legasthenikerhilfe. Am Ende der dritten Klasse hatten wir es geschafft, er war im Mittelfeld der Klasse angekommen.

Ein Jahr ohne meine Kinder

Hinzu kamen persönliche Probleme: Ich wusste lange nicht, was mit mir los war. Transgender – das kannte ich nicht. Ich wunderte mich nur, dass ich zu Männern keinen Draht bekam, bei Frauen hingegen fühlt ich mich wohl. Dann sah ich einen Bericht im Fernsehen und es fiel mir wie Schuppen von den Augen. So begann für mich  ein steiniger Weg, der Anfang 1999 in der OP von Mann zu Frau endete. Anfangs durfte ich mich meinen Kindern nicht zeigen, hatte sogar ein Jahr Umgangsverbot. Doch dann entschied das Gericht, dass ich meine Kinder wieder sehen darf.

Das Beste für meinen Sohn

In der Zwischenzeit liefen die Geschäfte meiner Ex-Frau schlecht, weshalb sie ihre Arbeit schließlich aufgab und mir die Jungs entzog. Unterhalt von mir und das eingesparte Tagesmuttergeld, welches ich für zwei weitere Kinder von ihr bekam, waren lukrativer. Leider nahm sie die Legasthenie nicht ernst und machte mit unserem Sohn die Übungen nicht. Das hatte zur Folge, dass er in den schulischen Leistungen wieder rapide abfiel. Die Legasthenikerhilfe, die Lehrer und das Jugendamt schlugen ein Internat vor, was ich befürwortete. Aber leider war sie dagegen. Sie hielt es für besser in ein Heim für schwer erziehbare Kinder zu stecken, wo er ein Jahr bleiben sollte. Ich wollte die Sache vor Gericht klären lassen, hatte aber keinen Erfolg. Der Familienrichter fragte mich nur, ob ich für meinen Sohn nicht das Beste wolle. So blieb er im Heim und wechselte später in die Sonderschule. Nach dem Hauptschulabschluss musste er eine ungeliebte Ausbildung zum Bäcker absolvieren.

Meine Ex-Frau ist verschwunden

Als ob das nicht schon genug wäre, ist meine Ex-Frau dann plötzlich verschwunden. Wir haben nach ihr gesucht und schließlich herausgefunden, dass sie mit einem neuen Mann nun in einem anderen Bundesland lebt und wieder schwanger ist. Was das für meine Jungs bedeutet, kann sich sicher jeder vorstellen: Mein Sohn begann die Schule zu schwänzen und hat mittlerweile 39 unentschuldigte Fehltage im Zeugnis sowie Fünfer und Sechser. Mit diesem Zeugnis muss er sich bewerben!

Wir müssen kürzer treten

Mein Jüngster hat kein Problem mit der Schule, aber auch er hat schwer zu knabbern. Mit meinem Älteren habe ich nächste Woche einen Termin in einer Privatschule, ich hoffe so sehr, dass er angenommen wird. Das Geld dazu werden wir irgendwie aufbringen müssen. Dann müssen wir eben auf vieles verzichten. Wenn er dort nicht aufgenommen wird, dann... .

Jennifer T.

Foto: Angela Jagenow