Im Paket für Alleinerziehende: eine Kette.

Im Paket für Alleinerziehende: eine Kette.

„Wir wollen die Rahmenbedingungen für Alleinerziehende durch ein Maßnahmenpaket verbessern. Dieses soll insbesondere in verlässlichen Netzwerkstrukturen für Alleinerziehende lückenlos, flexibel und niedrigschwellig bereitgestellt werden.
Wir werden prüfen, inwieweit die Umgestaltung des bisherigen steuerlichen Entlastungsbetrags in einen Abzug von der Steuerschuld möglich und interessengerecht ist.“ So steht es im Koalitionsvertrag der schwarz-gelben Regierung geschrieben.

Seit drei Monaten versuchen wir herauszukriegen, was in dem Paket genau ist. Anfragen im Bundesfamilienministerium haben nichts gebracht außer den redundanten Hinweis auf den Koalitionsvertrag. Dann kam am 27. November 2009 Kristina Köhler als neue Familienministerin. Und seit Dezember gibt es einen Hinweis darauf, was im Paket ist: eine Kette. Eine lückenlose, flexible und niedrigschwellige Dienstleistungskette. Spontan erinnert das Glasperlenketten, die von portugiesischen Seefahrern an die Eingeborenen der Südsee ausgeteilt wurden. Im Gegenzug luden die Eroberer Gold und Kunstschätze auf ihre Schiffe. Die Analogie ist gar nicht so weit hergeholt: Alleinerziehende leisten mit der Erziehung ihrer Kinder einen kostbaren Beitrag zur Gesellschaft. Im Gegenzug erhalten sie Gutscheine für verschiedene haushaltsnahe Dienstleistungen. So etwas Ähnliches hatten wir ja schon vermutet.

Angekoppelt an die „Lokalen Bündnisse für Familien“, derer es nun schon rund 603 in ganz Deutschland gibt, werden die „Lokalen Netzwerke für Alleinerziehende“. Dabei handelt es sich um „Produktionsnetzwerke“, die den komplexen und differenzierten Lebenslagen von Alleinerziehenden gerecht werden, indem sie Dienstleistungsketten bilden. Wie das genau gehen soll, werden zwei Workshops im Januar darlegen. Prof. Dr. Claus Reis vom Institut für Stadt- und Regionalentwicklung in Frankfurt a.M. wird eine Einführung in „Netzwerksteuerung und Netzwerkarbeit“ geben.

Eine Selbsthilfeorganisation wie der VAMV, die schon seit über 40 Jahren auf lokaler und regionaler Ebene tätig ist, kann jede Unterstützung gebrauchen. Die grundsätzliche Schwierigkeit besteht ja meistens darin, dass es zwar gute Projekte und Unterstützungssysteme vor Ort gibt, diese aber kaum Auswirkungen auf eine strukturelle Gesamtverbesserung haben. Wenn es darauf ankommt, wo Alleinerziehende wohnen, damit sie Unterstützung erhalten, wird sich für die über 2 Millionen Einelternfamilien in Deutschland nur punktuell (im besten Fall an 603 Standorten) etwas ändern. Der VAMV hat immer betont, dass er Sonderregelungen für Alleinerziehende ablehnt und stattdessen eine Verbesserung der Infrastruktur und der Entlastung von Mütter und Vätern mit Kindern, egal in welcher Familienform sie leben, zum Ziel hat. Allein die Identifizierung als „allein erziehend“ ist in vielen Fällen eher diskriminierend, weil sie sich an Defiziten orientiert. Ein weiteres Problem vor Ort ist die starke Inanspruchnahme von ehrenamtlicher Unterstützung, die die „komplexe Lebenslage“ der Alleinerziehenden individualisiert und die Gründe für die Komplexität privatisiert. Sollten die „Lokalen Netzwerke für Alleinerziehende“ allerdings erreichen, dass sie Existenz sichernde Arbeitsplätze bekommen und Ihnen eine qualitativ hohe Tagesbetreuung für ihre Kinder zur Verfügung steht, dann wäre vielen Alleinerziehenden geholfen. (aus: Informationen für Einelternfamilien Nr. 1/2010)