Sorglose Väter sorgen für Aufregung

Thema: Recht

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat entschieden, dass das deutsche Recht auch für nicht verheiratete Väter die Möglichkeit eröffnen muss, die gemeinsame Sorge gegebenenfalls über ein Gerichtsverfahren erlangen zu können (Pressemitteilung zum Urteil des EMRG vom 03.12.2009).

Das Justizministerium hat diesbezüglich eine schnelle Überprüfung des Kindschaftsrechts angekündigt. Nach der bisherigen Rechtslage ist die gemeinsame Sorge nicht miteinander verheirateter Eltern ohne die Zustimmung der Mutter nicht möglich. Voraussichtlich wird nun eine gerichtliche Überprüfung der Beweggründe einer Mutter, die einem gemeinsamen Sorgerecht ablehnend gegenübersteht, möglich werden.

Das heißt aber nicht, dass der Vater in jedem Fall das Sorgerecht zugesprochen bekommt: Auch in Zukunft wird das Gericht prüfen müssen, ob die gemeinsame Sorge zum Wohl des Kindes beiträgt.

Denn: Eine gemeinsame Ausübung der Elternverantwortung erfordert auch weiterhin eine tragfähige soziale Beziehung zwischen den Eltern und ein Mindestmaß an Übereinstimmung in wesentlichen Bereichen der elterlichen Sorge. Ist dies nicht gegeben, kann auch künftig die Ausübung der alleinigen Sorge die bessere Alternative für die Kinder sein.

Das Sorgerecht wird oftmals mit dem Recht auf Umgang und sogar mit dem Unterhaltsrecht verwechselt. Das Sorgerecht betrifft die persönliche Sorge und die Vermögenssorge für das Kind, also das Recht, bezüglich des Kindes bestimmte wichtige Entscheidungen zu treffen, beispielsweise, welche Schule das Kind besuchen oder ob es operiert werden soll. Das Umgangsrecht betrifft hingegen die Möglichkeit, sein Kind regelmäßig zu sehen. Es steht jedem getrennt lebenden Elternteil ganz unabhängig vom Sorgerecht zu. Völlig unabhängig vom Umgang und auch vom Sorgerecht ist die Unterhaltsverpflichtung, der ebenfalls jeder Elternteil unterliegt, der leistungsfähig ist. Zwischen diesen verschiedenen Rechten und Pflichten werden oftmals Zusammenhänge vermutet, die so nicht bestehen.

Deshalb sollte man sich auch von der aktuellen Berichterstattung in den Medien nicht irritieren lassen: Die angeblich „rechtlosen Zahlväter“, die im Vorfeld der Entscheidung durch verschiedenste Artikel, unter anderem in so seriösen Medien wie „Tagesschau.de“ oder die „Süddeutsche“ geisterten, hatten auch schon vor der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte das Recht auf Umgang mit ihrem Kind, sofern sie es nicht beispielsweise durch Gewalttätigkeiten gegenüber Frau und Kind verwirkt haben. Allerdings zeigt die Erfahrung, dass sich viele Väter nach der Trennung nicht mehr für ihre Kinder interessieren und das ihnen zustehende Umgangsrecht nicht wahrnehmen.

Das aber ist es, was für Kinder zählt: Wie viel Zeit sie mit dem Papa verbringen können, wie gut er sie kennt, ob er überhaupt einschätzen kann, an welcher Schule sein Kind sich wohl fühlen wird, ob er die Menschen kennt, mit denen sein Kind täglich zu tun hat. Ob er für sein Kind da ist, mit ihm spricht, sich um es kümmert. Dazu sind Väter jedoch nicht verpflichtet. Selbst ihr Recht, den Vater regelmäßig zu treffen, können viele Kinder von getrennt lebenden Eltern oft nicht realisieren. Denn gegen den Willen des Vaters ist dies nicht möglich. Aber auch bei bestehenden Umgangsregelungen werden Kinder oft enttäuscht: Der Papa sagt überraschend ab, kommt doch nicht zur Geburtstagsfeier, der geplante Ausflug fällt aus. Daran ändert auch die Möglichkeit eines gemeinsamen Sorgerechts nichts (Pressemitteilung des VAMV: Europäischer Gerichtshof beweist Weitblick).

Zum Thema der gemeinsamen Sorge nicht verheirateter Eltern diskutierten am 07.12.2009 in der Sendung "Was erlauben Strunz" beim Sender N24 Edith Schwab und Mathieu Carriere. Zum Ansehen des Videos beim Suchbegriff "Strunz" eingeben.