1,2,3… arm, fromm, frei. Wie Schwarz-Gelb die Zukunft unserer Kinder verschaukelt.

Thema: Kind

Heute sollen wir 20 Jahre Kinderrechte feiern. Oder feiern wir nur das Papier, auf dem sie geschrieben sind? Die UN-Kinderrechtskonvention hat für den Alltag von Kindern keine große Bedeutung. Sie sind weder im öffentlichen Raum, in gerichtlichen Entscheidungen noch bei privaten Angelegenheiten gleichberechtigte Personen. Ihre Stimmen zählen in keiner Wahl, ihr Urteil interessiert keinen Politiker, ihre Meinungen werden höchstens mal auf der Kinderseite der Zeitungen abgedruckt.

Bezogen auf Deutschland, wo trotz Finanzkrise Rekordrenditen an die Aktionär/innen ausgeschüttet werden, kommen Kinder schlecht weg. Sie sind so abhängig von der finanziellen Situation ihrer Eltern wie in fast keinem anderen Land.

arm: Das Armutsrisiko von Kindern in Deutschland beträgt  rund 17 Prozent. In konkreten Zahlen sind das 2,36 Millionen Kinder und Jugendliche in so genannten prekären wirtschaftlichen Verhältnissen. In den Haushalten mit zwei Kindern sind die Kinder von Alleinerziehenden zu 41,3 Prozent arm, die Kinder von Ehepaaren sind zu 9,5 Prozent arm. Arme Kinder sind häufiger krank, essen ungesünder, atmen schlechtere Luft, haben weniger Platz zum Spielen, haben weniger Freund/innen, kriegen schlechtere Noten. Die Bekämpfung der Kinderarmut ist der schwarz-gelben Regierung in ihrem Koalitionsvertrag gerade mal einen Halbsatz wert.

fromm: Gebetsmühlenartig verwendet die neue Regierung den Begriff der Wahlfreiheit. Die Wahlfreiheit muss z.B. für die Rechtfertigung des Betreuungsgelds (auch Herdprämie genannt) herhalten. In diesem Begriff ballt sich ein gerüttelt Maß an Doppelmoral: Die Benutzer/innen gehen in Ignoranz der tatsächlichen Verhältnisse einfach davon aus, es bestünde eine Wahl zwischen zwei (oder mehreren) gleichwertigen Alternativen. Bezogen auf das Betreuungsgeld sieht das so aus: Die Frauen sollen die Wahl haben, ob sie ihr Kind zu Hause betreuen oder es in eine Kita geben. Diese Entscheidung setzt voraus, dass die Frau sich das Zuhausebleiben leisten kann, denn sie erhält dafür nur 150 Euro. Frauen, vor allem Alleinerziehende, die ihren Lebensunterhalt verdienen müssen, stellt sich diese Wahl gar nicht – höchstens sie begeben sich freiwillig in Hartz IV.

frei: Vor allem das deutsche Bildungssystem suggeriert eine Freiheit, die nur auf dem Papier steht. Wie kein anderes schränkt es die Möglichkeiten von Kindern ein – es sortiert nach sozialem Status und richtet sein Angebot an alle Kinder, die gleiche Leistungen bringen müssen. Dieses Prinzip wirkt sich als völlig ungerecht aus, weil es individuelle Unterschiede ignoriert: Manche Kinder lernen schneller, manche lernen anders, manche haben Talente für bestimmte Fächer, andere brauchen mehr Bewegung. Auf nichts dieser persönlichen Anlagen der Kinder nimmt die Schule Rücksicht – sie interessiert vor allem, wie viel Geld die Eltern verdienen.

Als Eltern fühlt man sich von der Politik verschaukelt. Denn die hat immer noch nicht verstanden, dass der Fehler im System, in der Struktur, im Festhalten an alten Rezepten liegt. So verspricht sie im Koalitionsvertrag: „…. Wir werden jedem neugeborenen Kind ein Zukunftskonto mit einem Startguthaben von 150 Euro einrichten und Einzahlungen bis zur Volljährigkeit mit einer Prämie unterstützen.“ Die ersten Prämien werden in 18 Jahren fällig. Ist das nachhaltige Zukunftspolitik?