Alleinerziehende im SGB II - Daten und Fakten

Viel wird über Alleinerziehende im SGB II – Bezug gesprochen und noch mehr vermutet. Hinzu kommt die häufig verbreitete Auffassung, dass gefühlt alle Alleinerziehenden arbeitslos zu Hause sitzen und ihre Kinder erziehen. Der Analytikreport der Bundesagentur für Arbeit „Analyse des Arbeitsmarktes für Alleinerziehende“ gibt zu einigen Fragen Aufschluss.

Aus Daten des Mikrozensus und der eigenen BA-Statistik wurden Informationen zu wesentlichen soziodemografischen Merkmalen, zum Stellenangebot und zur Situation Alleinerziehender im SGB-II- und III-Leistungsbezug zusammengestellt.

Agnes ist Industriekauffrau und arbeitet 20 Stunden pro Woche in einer Speditionsfirma in Kaufbeuren. Ihre beiden Kinder Carolin (10) und Max (8) sind in der Grundschule und kommen um 13:15 mit dem Bus nach Hause. Dann muss Agnes die beiden an der Bushaltestelle abholen. In Kaufbeuren gibt es keinen Kinderhort, deshalb hat sie keine Möglichkeit mehr Wochenstunden zu arbeiten, obwohl sie sich das gut vorstellen kann. Sie gehört damit zu 558.000 in Teilzeit erwerbstätigen Alleinerziehenden. Weitere 506.000 Alleinerziehende sind in Vollzeit erwerbstätig. Die Quote der Erwerbsbeteiligung liegt damit insgesamt bei 67,8 Prozent. Agnes verdient mit ihrer Teilzeitstelle nicht soviel, dass sie mit ihren zwei Kindern davon leben kann. Sie stockt ihr Gehalt deshalb über Leistungen nach dem SGB II auf. Sie bildet damit mit ihren Kindern eine von 662.370 Bedarfsgemeinschaften Alleinerziehender (Juli 2008). 200.564 allein erziehende Leistungsbezieher/innen im SGB II- Leistungsbezug sind erwerbstätig. Agnes gehört zu dieser Gruppe. Der überwiegende Anteil der Alleinerziehenden-Bedarfsgemeinschaften lebt mit einem Kind im Haushalt (61,6 Prozent). Mit ihren zwei Kindern stellt Agnes daher eine Vertreterin der 27,9 Prozent Alleinerziehenden-Bedarfsgemeinschaften mit zwei Kindern.

Oliver ist alleinerziehend und bezieht Leistungen nach dem SGB II. Er ist damit unter den Alleinerziehenden im SGB II-Bezug einer von 33.042 alleinerziehenden Vätern. Sie bilden insgesamt 5 Prozent der allein erziehenden Leistungsbezieher/innen. Er sucht seit zweieinhalb Jahren eine Vollzeitstelle als Sozialarbeiter. Ein gutes Viertel der arbeitslosen Alleinerziehenden ist 24 Monate oder länger arbeitssuchend (26,5 Prozent), mehr als die Hälfte (52,9 Prozent) ist weniger als 12 Monate auf Jobsuche. Olivers Tochter Anna (6) geht in den Kindergarten. Sie erhält von ihrer Mutter den Mindestunterhalt. In der Bedarfsgemeinschaft von Oliver und Anna werden demnach Unterhaltsleistungen auf den Bedarf angerechnet. Dies ist in 57,6 Prozent aller Bedarfsgemeinschaften von Alleinerziehenden der Fall. Durchschnittlich werden 208 Euro Unterhalt angerechnet.  

Lea, 32, freut sich, denn sie meldet sich heute nicht mehr arbeitssuchend. Das freut auch ihre Sachbearbeiterin. Denn im Gegensatz zu 37,1 Prozent der Abmeldungen von Alleinerziehenden, die in die Nichterwerbstätigkeit gehen, hat Lea eine Vollzeitstelle als Bauzeichnerin gefunden, wie sie es sich gewünscht hat. 53,4 Prozent aller arbeitslosen Alleinerziehenden, und damit über die Hälfte, suchen eine Vollzeitstelle. Zum Glück wohnt Lea in Berlin, wo das Angebot an Ganztagesbetreuung für ihren Sohn Dennis ziemlich groß ist. Zudem hat sie im Prenzlauer Berg ein breites Netz an Freundinnen und Freunden, die Dennis auch mal aus dem Hort abholen, wenn es eng wird.

Lea ist, wie der überwiegende Teil der allein erziehenden Arbeitssuchenden über 25. Im Gegensatz zur viel diskutierten Gruppe der „jungen allein erziehenden Mütter ohne Ausbildung“ sind 83,2 Prozent der Alleinerziehenden im SGB II zwischen 25 und 50 Jahre alt. Nur 12,1 Prozent der Alleinerziehenden im SGB II sind unter 25 und weitere 0,4 Prozent sind unter 18 Jahre alt. Geht es um alleinerziehende Mütter und Väter im SGB-II-Bezug wird häufig die mangelnde Qualifikation oder Teilzeitausbildung benannt. Faktisch ist die Gruppe derer, bei denen es um das Nachholen eines Abschlusses geht oder um Ausbildung in der Regel die jüngere Altersgruppe. Unter den Alleinerziehenden ist diese Gruppe sehr klein. Es ist daher sinnvoll, bei arbeitsmarktpolitischen Forderungen oder auch bei Projekten die Perspektive nicht auf eine Zielgruppe zu verengen, die sich leicht identifizieren lässt. Die Gruppe Alleinerziehender ist, das zeigen die vorliegenden Daten, sehr heterogen. Entsprechend differenziert müssen Maßnahmen und Angebote für Alleinerziehende sein.

Der Analytikreport "Analyse des Arbeitsmarktes für Alleinerziehende"