Schon wieder mehr Alleinerziehende

Die neuen Daten des Mikrozensus über Alleinerziehende bestätigen den seit einigen Jahren anhaltenden Trend. Mit 1,58 Millionen gibt es wieder mehr Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern. Die Zahl der Kinder unter 18 Jahren hat ebenfalls von 2,18 auf 2,20 Millionen zugenommen. Überraschenderweise bewegt sich die Zahl der alleinerziehenden Väter nach wie vor nicht auf den ansteigenden Zweig (Abnahme von 159.000 auf 156.000). Nachdem dieser Befund einige Jahre als statistischer Effekt galt, scheint er dennoch anzuhalten. Was steckt dahinter? Einen Einblick kann die Familienform geben, aus der die Alleinerziehenden kommen.

Wie setzen sich die weiblichen Alleinerziehenden im Vergleich zu den männlichen zusammen? Welche Entwicklungen zeigen sich hier? Der Anstieg alleinerziehender Mütter in den westlichen Bundesländern ist vor allem einem Anstieg der geschiedenen und der ledigen Mütter zu verdanken. In den östlichen Bundesländern stieg die Zahl lediger Mütter, die der geschiedenen ging zurück. Alleinerziehende Väter verzeichnen Anstieg bei den ledigen Vätern. Dies gilt für Gesamtdeutschland. In allen anderen Familienformen sinkt oder stagniert die absolute Zahl der männlichen Alleinerziehenden. Das anteilsmäßige Wachstum der Mütter gegenüber den Vätern lässt sich demnach vor allem aus der Zunahme geschiedener und lediger Mütter in den westlichen Bundesländern erklären, die nahezu den gesamten Anteil der Zunahme an Alleinerziehenden insgesamt ausmachen. Die einzige Erklärung für den Rückgang alleinerziehender Väter kann daher sein, dass generell der Anteil alleinerziehender Mütter deutlicher und stärker anwächst.

Deutlich wird anhand der Einkommens-Daten, dass eine Ehe keine Versorgungsgarantie bietet, denn der Anteil der Alleinerziehenden, die sich überwiegend aus Unterhaltsleistungen von Verwandten finanzieren ist zwischen 2007 und 2008 um 15 Prozent gesunken. Dies kann auf eine erste Auswirkung der Unterhaltsrechtsreform hindeuten. Weiterhin geben gut 60 Prozent der Alleinerziehenden ihr Einkommen aus Erwerbstätigkeit als Haupteinkommensquelle an.

Insgesamt scheinen die Alleinerziehende eine erfolgreiche Familienform zu sein, die entgegen aller demografischen Trends weiter anwächst. Die sollte endlich die entsprechenden familienpolitischen Folgen haben. Ein reines Festhalten an tradierten Mustern bringt weder den Alleinerziehenden etwas noch ist es ein Zeichen für eine zukunftsfähige Familienpolitik.

Quellen: Statistisches Bundesamt, Mikrozensus 2008