Die digitalisierte Kühlschranktür

Thema: Umgang

Seit einiger Zeit ist ein so genannter Umgangskalender online, der den getrennt lebenden Eltern die Realisierung der Umgangskontakte mit den Kindern erleichtern soll. Ein Fachanwalt für Familienrecht, Jörg Daube aus Nordrhein-Westfalen, hat ihn entwickelt. Er hat seine Erfahrungen als Anwalt und Mediator dort einfließen lassen. Der Internetauftritt ist professionell und ansprechend gestaltet, die einzelnen Funktionen sind einfach zu verstehen und zu bedienen. Gestern hat die Frankfurter Rundschau über das Angebot berichtet.

Laut eigener Beschreibung sollen mit dem Umgangskalender Eltern, deren Kommunikation nicht ganz reibungslos verläuft, d.h. die sich schnell streiten oder sich leicht ablenken lassen, zu vernünftigen Lösungen kommen. Wenn sie nämlich nur schriftlich formulieren, was zur Sache gehört, dabei aber der Tonfall wegfällt, der sie nervt oder Pausen, auf die sie empfindlich reagieren, dann sind viele Streitursachen schon ausgeräumt. Auf die vorgefertigten Listen sollen alle möglichen Daten in Bezug auf die Kinder eingetragen werden, die Stundenpläne eingestellt, die Telefonnummern von Ärzten, Freunden, die Vereinsaktivitäten vom Sommerfest über den Laternenumzug, Nikolausfeier, Adventsbacken, Neujahrssingen usw.

Auf diese Daten sollen sich die Eltern beziehen, erstens um viel über die Kinder zu wissen und zweitens, um die Umgangskontakte möglichst in diese Aktivitäten einzubetten. Die Nutzung des Online-Kalenders kostet 5 Euro im Monat.

Ca. 90 Prozent der Alleinerziehenden sind Mütter, bei denen die Kinder leben und bei denen alle wichtigen Informationen an der Kühlschranktür heften. Der Umgangskalender mit seiner Erinnerungs- und Organisationsfunktion nimmt die Position der Mütter ein, die sich in der Regel um die Kontakte, Geburtstage, Großelternbesuche usw. kümmern. Die Mütter stellen alle notwendigen Informationen wie Stundenpläne, Vereinsaktivitäten, Ferienzeiten (alles einscannen?) usw. zur Verfügung und werden in der Alltagsbewältigung keineswegs entlastet, sondern müssen für den optimalen Umgangskontakt allerlei Vorleistungen erbringen. Bei drei Kindern kostet die regelmäßige Aktualisierung der Daten einige Abende. Und wenn die Mütter die Aktualisierung vergessen? Gibt es dann neuen Streit?  Der Umgangskalender scheint eher ein bequemes technisches Hilfsmittel für die (Umgangs-)Väter zu sein.

Ob man einen digitalen Umgangskalender brauchen kann, muss man wahrscheinlich ausprobieren. Eventuell ist der persönliche oder telefonische Kontakt dennoch besser, weil mündliche Verabredungen meistens schneller gehen als schriftlich ausgehandelte.