Kur oder Urlaub? Klar, aber nur mit Kind!

Kur oder Urlaub? Klar, aber nur mit Kind!

Als es in meiner Ehe immer mehr Probleme gab, die mich sowohl nervlich als auch körperlich belasteten, beantragte ich eine Mutter-Kind-Kur. Die Kinder daheim zu lassen kam gar nicht in Frage, erstens weil sie dafür noch zu klein waren und zweitens weil mein Mann gar nicht bereit gewesen wäre, sie zu betreuen.
Die Trennung von meinem Mann kam dann aber vorher. Ich musste das gemeinsame Haus verlassen und zog mit beiden Kindern in eine kleine 2-Zimmer-Wohnung. Und ich war gar nicht in der Stimmung in der aktuellen und sehr stressbeladenen Zeit auch noch eine Kur zu machen. Aber ich trat die Kur dann doch an, vor allem weil ich ja nicht wusste, ob ich später noch einmal eine bewilligt bekommen würde.

Vor der Entspannung stand erstmal Stress
Ich kann das jeder Mutter nur empfehlen. Natürlich bedeutet es erst mal Stress, das fängt schon bei der Anreise an. Die Zugfahrt muss bewältigt werden und das Umsteigen mit Kind und Koffer ist nicht einfach. Zum Glück gibt es auf den großen Bahnhöfen immer noch die Bahnhofsmission, die in solchen Fällen nach vorheriger Anmeldung auch Hilfe gibt. Und wenn es nur darum geht, dass die Kinder sicher von einem Gleis zum anderen kommen während die Mama die Koffer transportiert. Meine Kinder haben das Ganze als tolles Abenteuer angesehen. Bis sie merkten, dass es kein Urlaub wird, in dem sich die Mama Tag und Nacht um die Kinder kümmert. Leider gab es auch Geschrei, wenn sie im Kurhaus-Kindergarten abgegeben werden mussten, weil die Mama zu ihren Anwendungen musste. Gerade als Alleinerziehende fragt frau sich dann, ob es wirklich sein muss, seinem Kind das anzutun. Wo man doch jetzt gerade so schön zusammen sein könnte, wenn bloß die vorgeschriebenen Anwendungen nicht wären. Trotzdem lohnt es sich. Das Beste an der Kur ist, dass frau sich um fast nichts kümmern muss. Die Mitarbeiterinnen der Kureinrichtung tun wirklich alles, um den Aufenthalt so erfolgreich wie möglich zu gestalten. Und dazu gehört nicht nur, dass es alle Mahlzeiten frisch aus der Küche fertig gekocht gibt. Sich endlich mal nicht um die Vorbereitungen kümmern zu müssen, ist wirklich schon eine feine Sache. Und wenn die Kinder dann noch überredet werden können, auch etwas zu probieren, das sie noch gar nicht kennen, dann ist das ein gutes Gefühl.

Der Erfahrungsaustausch mit anderen machte mir Mut
Das Wichtigste aber sind die Anwendungen. Natürlich war ich auch vorher zu Hause schon in Behandlung. Vor allem wegen Migräne, Kreislaufproblemen, Untergewicht und Schlafstörungen. Eben allen Symptomen, die zu einer Ehekrise mit Trennung und der Erziehung von zwei kleinen Kindern dazugehört. Aber einen wirklichen Fortschritt haben die ganzen Massagen, Spritzen und Tabletten nicht gebracht. Während der Kur wurde ich von einem Physiotherapeuten gründlich untersucht und erhielt mein eigenes Trainingsprogramm mit Übungen und Anwendungen, um die Haltung dauerhaft zu verbessern. Das Schönste aber waren für mich die Bäder. Genussvoll in der Wanne zu liegen, die Kinder gut betreut zu wissen und endlich mal ganz entspannen zu dürfen, hat mir sehr geholfen. Außerdem gab es auch viele Gespräche in der Gruppe mit anderen Müttern (viele davon alleinerziehend) die manche Probleme, die durch das eigene Verhalten entstanden sind, erkennbar machten. Und die Erfahrung, dass andere Frauen genau das Gleiche erlebt haben und aus dieser Situation wieder herausgekommen sind, macht Mut. Die Abende musste ich endlich mal wieder nicht allein verbringen. Dank Babyphon auf dem Zimmer war es möglich, in gemütlicher Runde einen Plausch zu halten oder an einem Bastelabend teilzunehmen. Und dazu gab es noch einen Kurs zum Thema „natürliche Kosmetik selber machen“.

Burn-Out vermeiden: Am besten auf den Körper hören!
Alles in allem war es für mich ein gelungener Aufenthalt und führte zu einer wesentlichen Verbesserung meiner körperlichen Verfassung. Meine Kinder haben jahrelang von der tollen Kinderbetreuung und den ganzen Abenteuern, die sie dabei erlebt haben erzählt. Sogar eine Nachtwanderung mit Fackeln haben wir gemacht. Auch wenn es in den letzten Jahren immer schwieriger geworden ist, eine Kur bewilligt zu bekommen, es lohnt sich wirklich. Gegen die Ablehnung durch die Krankenkasse oder den Rentenversicherungsträger kann Widerspruch eingelegt werden, dann wird der Antrag noch einmal geprüft. Für die zu leistenden Zuzahlungen kann unter Umständen auch finanzielle Hilfe beantragt werden. Dazu am besten bei den Vermittlungseinrichtungen nachfragen. Eine Voraussetzung eine Kur zu bekommen, ist natürlich, dass zuvor schon möglichst umfassende Behandlungen durchgeführt wurden und der Arzt bestätigt, dass durch die Kur eine anhaltende Verbesserung zu erwarten ist. Wer jahrelang nicht beim Arzt war und alle Krankheiten selbst kuriert hat oder erst gar nicht zur Kenntnis genommen hat, gilt nicht als krank. Das soll keine Empfehlung sein, ständig zum Arzt zu gehen, aber eine Erinnerung, dass es manchmal besser ist, frühzeitig auf körperliche Auffälligkeiten oder Veränderungen zu reagieren und das bevor das berühmte Burn-Out-Syndrom eintritt. Die Behandlung einer schweren psychosomatischen Erkrankung dauert ganz sicher länger und kostet dann auch die Krankenkasse viel mehr.

Maria R.  


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Foto: Angela Jagenow