Freiberuflich als Hebamme tätig und alleinerziehend

Freiberuflich als Hebamme tätig und alleinerziehend

Ich heiße Simone und bin jetzt 33 Jahre alt. Seit fünf Jahren lebe ich, zumindest die Hälfte der Woche, mit meiner Tochter Mia (inzwischen fast acht Jahre alt) alleine. Ich bin Hebamme. Ein halbes Jahr vor der Trennung von Mias Vater habe ich wieder angefangen zu arbeiten. Da ich mir nicht vorstellen konnte wieder im Schichtdienst in der Klinik zu arbeiten, habe ich mich selbständig gemacht. Ich habe am Anfang einen Rückbildungskurs gegeben und Frauen im Wochenbett betreut. Eigentlich war damals aber mein Traum, eine eigene Praxis mit Geburtshilfe und netten Kolleginnen zu eröffnen. Dann kam die Trennung, und ohne die finanzielle Sicherheit eines Partners im Rücken war mein Traum von der eigenen Praxis erst mal dahin. Schon während der Trennung habe ich aber trotzdem angefangen nach Kolleginnen zu suchen, die mit mir zusammen arbeiten wollen. Ich habe in dem Jahr nach der Trennung zwei sehr nette Kolleginnen gefunden, und wir haben gemeinsam eine Hebammengemeinschaft gegründet, in der wir, zwar ohne eigene Räume, Schwangerenbetreuung, Kurse, Beleggeburt und Wochenbettbetreuung angeboten haben. Für die Geburten wurde ein Rufbereitschaftsplan erarbeitet. Da meine beiden Kolleginnen noch kinderlos waren, hat die Verteilung der Rufbereitschaft gut geklappt. Das erste Jahr in der Hebammengemeinschaft war schön und aufregend, aber für mich auch sehr anstrengend. Mia war noch recht klein, und meine Woche ein Wechsel aus zwei langen Arbeitstagen mit Rufbereitschaften über 24 Stunden, zwei kurzen Arbeitstagen und Mia und den Wochenenden im Wechsel, Rufbereitschaft oder Mia. Funktioniert hat das Ganze nur durch viel Rücksichtnahme meiner Kolleginnen, dadurch, dass Mia die Hälfte der Woche bei ihrem Vater war, durch die Unterstützung meiner Mutter und vieler Freunde, die spontan Mia betreut haben, wenn eine Geburt länger dauerte, oder ich am Wochenende Hausbesuche machen musste. Viel Zeit für mich und auch für Mia blieb da nicht. Nach einem Jahr haben wir eine weitere Kollegin ins Team geholt, um alle ein wenig mehr entlastet zu sein. Das Arbeiten an sich hat mir viel Spaß gemacht, aber die wenige Zeit für mich alleine und das finanzielle Auf und Ab als Freiberuflerin haben mich auf Dauer geschafft. Zumal ich immer noch alleine bin und ohne finanzielle Unterstützung zurechtkommen muss. Nach drei Jahren habe ich überlegt, was ich ändern kann und beschlossen, ohne Geburtshilfe weiter zu arbeiten und evtl. doch noch eine eigene Praxis aufzumachen. Eine Kollegin aus dem Team, die in der Zwischenzeit auch ein Kind bekommen hatte, wollte dabei mitarbeiten. Aber eine zweite Schwangerschaft meiner Kollegin und wenig finanzielle Mittel für eigene Räume haben diesen Plan vereitelt. Ich habe das letzte Jahr viel alleine vor mich hingearbeitet, und auch finanziell gab es ohne die Einnahmen aus der Geburtshilfe immer wieder Monate, wo ich stark an meine Grenzen gekommen bin. Da dieses Problem mir schwer auf den Schultern lag, habe ich lange überlegt, was ich ändern kann. Da ich nicht im Schichtdienst arbeiten wollte, blieben mir als Hebamme eigentlich keine Möglichkeiten mehr.

Jetzt studiere ich noch mal, um neue Arbeitsperspektiven zu bekommen. Mia und ich haben mehr Zeit. Finanziell haben wir zwar weniger, aber dadurch, dass ich BAföG bekomme, haben wir regelmäßig Geld.

Ich denke, dass ein freiberufliches Arbeiten als Hebamme, gerade mit Geburtshilfe, nur gut geht, wenn man viel Unterstützung hat, einen Partner hat oder die Kinder schon größer sind. Für mich war der schmale Grad zwischen viel arbeiten, genug Geld, aber wenig Zeit und weniger arbeiten, wenig Geld aber viel Zeit auf Dauer zu nervenaufreibend.

Im Moment bin ich mit meinem neuen Weg sehr zufrieden, was auch Mia zugutekommt. Und ich werde einfach sehen, was mir die Zukunft so bringt … 

Simone P.

Quelle: VAMV Landesverband Berlin e.V., Infoheft 2/2010, Schöner arbeiten