Wer nicht fragt, bekommt auch keine Antwort

Wer nicht fragt, bekommt auch keine Antwort

Ich heiße Anja (33Jh.) und durfte im April 2009 Mutter einer süßen Tochter namens Aylin werden.

Zu Beginn kann ich sagen, dass die Schwangerschaft alles andere als geplant war. Ich war im Alter von 22Jahren bereits verheiratet. Diese Ehe hielt jedoch nur 5,5Jahre sodass ich mit 27Jahren vor dem Scherben einer Ehe stand. Ich hatte mir immer sehr früh gewünscht Mutter zu werden, doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Eine richtige Beziehung gab es danach nicht mehr. Irgendwie war mein Herz nicht frei für eine neue Liebe. Vielleicht hat es deswegen auch nicht mehr mit einem neuen Mann geklappt.
Der Vater meiner Tochter kannte ich schon seit Jahren. Doch eine Beziehung war es nicht. Eher eine Art Unfall, wenn man das so bezeichnen kann. Irgendwie ist aus einer Nacht meine Kleine Maus entstanden. Ich glaube ein Sechser in Lotto kann man schneller bekommen.

Als ich das erste Mal zum Arzt ging, hieß es noch : " Alles ok - Sie sind nicht schwanger ." Ich war darüber sehr froh und genauso verwirrt als nach einer weiteren Woche meine Tage immer noch ausblieben. Dann kam das für mich damals erschütternde Ergebnis. SCHWANGER

Ich bin eine Frau, die immer schon gegen eine Abtreibung ist und war, aber ich glaube, wenn mir der Arzt in diesem Moment etwas gegeben hätte, um das Kind zu verlieren, ich hätte es genommen. Ich wollte nie alleinerziehend sein. Ich wollte mein Kind in eine intakte Beziehung bekommen und ihr etwas bieten. Ich hatte einfach nur total die Angst, dass ich versagen könnte. Die erste Woche war eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Ja, nein, ich weiß nicht - alles ging mir durch den Kopf. Wem kann ich mich anvertrauen, was würde meine Familie sagen, wie würde die Familie des Vaters reagieren. Ich war hin und her gerissen. Ich wollte nicht mehr, aber ich konnte auch nicht mein Kind umbringen lassen und damit leben. Gott sei Dank hatte ich meine Familie und besonders meine Mutter an meiner Seite. Gemeinsam durchlebten wir die Schwangerschaft, welche in den ersten Monaten mehr durch das Tal der Tränen ging. Aber nach einem endgültigen Abschluss mit der väterlichen Seite, konnte ich mich auf das konzentrieren was wirklich zählt.

ICH BIN SCHWANGER - und ich möchte meinem Kind eine gute Mutter sein und alles andere kommt mit der Zeit. Ich habe mir über so viele Dinge Gedanken gemacht, die jetzt total in den Hintergrund getreten sind. Wie meine Mutter immer gesagt hat: " Man wächst mit der Geburt eines Kindes über sich hinaus."

Ich fing an mich zu informieren über Anträge für Kindergeld, UVG, Elterngeld, Elternzeit etc. Hierbei half mir besonders die Donum Vitaè, welche für Frauen in solchen Situationen ganz herzliche Ansprechpartner sind. Egal ob man sich für oder gegen das Kind entscheidet. Sie begleiten uns Frauen, damit wir eine Entscheidung treffen, womit wir auch leben können. 

Ich kann nur eines sagen, man ist nicht allein. Ein Kind, was nicht schreit bekommt auch keinen Nukki und genau so muss man das Leben sehen. Wer nicht fragt, bekommt auch keine Antworten. Wer sich nicht traut zu sagen: "Ich bin allein, ich schaff das nicht - kannst du mir helfen, bekommt auch keine Hilfe. Ich will damit nur sagen, dass es viele Menschen gibt, denen es noch schlechter geht als uns. Und genau das macht mich stark. Durch die Geburt meiner Tochter bin ich glücklicher geworden. Ich sehe nicht mehr die Suche nach einem Partner als Mittelpunkt meines Lebens an. Ich habe durch die Geburt meiner Tochter so viele nette Menschen kennengelernt. Sei es durch Krabbelgruppen, Rückbildungskurse oder durch VAMV-Treffen.

Bei solchen Treffen kann man sich austauschen und mit seinen Erfahrungen anderen Frauen helfen. Ich weiß nicht ob, mein Leben so leicht bleiben wird, aber ich hoffe es und wenn irgendwann das Thema " WER IST MEIN VATER " aufkommen wird, hoffe ich mit Hilfe meiner Familie und Freunde meiner Tochter alles erklären zu können. Bis dahin ist für mich nur eines Wichtig. Ich möchte eine gute Beziehung zu meiner Tochter aufbauen, damit sie immer zu mir kommen kann egal womit. Verständnis für andere ist wichtig, damit man auch selbst Verständnis von anderen erhält. Ich möchte meiner Tochter ein Vorbild sein, und dazu gehört auch, dass ich ihr zeige, dass das Leben nicht immer nur positive Seiten hat. Auch Erwachsene haben einen schwachen Moment, wo sie Fehler machen. Aus meiner wohl größten Schwäche ist für mich das Größte Glück entstanden.

Nicht ich habe ihr das Leben geschenkt, sondern sie hat mein Leben gerettet, indem sie mir mit jedem Tag ihres Lebens zeigt, dass es noch viel wichtigere Dinge gibt. Wir Erwachsenen haben verlernt, die Welt mit Kinderaugen zu sehen, und erst wenn wir versuchen, unsere Kinder zu verstehen, werden wir wirklich unser Glück finden.

Ich wünsche allen die richtige Entscheidung und alles Gute für die Zukunft.

Anja R.