Entscheidung fürs Alleinerziehen anerkennen

Entscheidung fürs Alleinerziehen anerkennen

Kinder sind  wundervoll. Aber sie sind zweifelsohne eine große Herausforderung und verlangen gerade uns Alleinerziehenden eine Menge ab. Neben der Verantwortung, die oftmals allein auf unseren Schultern liegt, tragen wir vor allem die Last, sie mit den uns trotz harter Arbeit manchmal nur spärlich zur Verfügung stehenden Mitteln bestmöglichst zu versorgen oder versorgen zu wollen, Ihnen dennoch ausreichend Zeit zu widmen und das Gefühl zu geben, trotz aller Widrigkeiten der Mittelpunkt der Welt zu sein. Nicht selten führt dies zur kompletten Selbstaufgabe. Alleinerziehen ist nichts für Schwache (Nerven).

Diese Lebensform erfordert Mut, Kraft, Engagement, Organisationsgeschick, ein dickes Fell, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, in das Kind.

Dennoch hat sich in der Öffentlichkeit ein Bild festgesetzt, das den Blick auf die Realität verschleiert, Vorbehalten Vorschub leistet.

Wenn es um DIE Alleinerziehenden geht, werden noch all zu oft Stereotype gebraucht, Einzelschicksale herangezogen, die entweder die Situation dramatisieren oder eine besondere Bedürftigkeit herausstellen, die Ursachen aber verschweigen oder verkennen. Allein erziehen, heißt für die meisten heute das Leben allein zu managen, Unterstützung selbst zu generieren. Eine Selbstverständlichkeit. Es gibt keinen Grund sich zu verstecken, sondern viele, auf das, was wir tagtäglich leisten, Stolz zu sein!

Allein erziehen ist kein Makel, sondern Ausdruck einer sich verändernden Gesellschaft und einer immer stärkeren Pluralisierung der Lebensformen.

Im Mittelpunkt der Bestrebungen von Alleinerziehenden - und auch meiner als alleinerziehender Mutter einer 5-jährigen Tochter - stehen nicht Almosen, sondern vor allem Anerkennung - Anerkennung der Entscheidung für diese Lebensform, die oftmals nicht von vornherein geplant war, Anerkennung der Erziehungs- und Arbeitsleistung, der Person - damit Gleichbehandlung - schlicht Gerechtigkeit.
Hier gibt es Schwächen im System und Lücken im Gesetz, die die besondere Situation Alleinerziehender nicht genügend zur Kenntnis nehmen und Alleinerziehenden und ihren Kindern Teilhabe und ein unabhängiges wie selbstbestimmtes Leben erschweren.

Darauf möchte ich den Blick lenken und mich als neu gewähltes Mitglied des VAMV-Bundesvorstandes einsetzen. Wir Alleinerziehenden brauchen vor allem eins: eine starke Lobby. Und dazu braucht es engagierte MitstreiterInnen. Ich freue mich auf die bevorstehenden Aufgaben, einen regen Austausch und eine kritische wie faire Auseinandersetzung und wünsche mir viele Unterstützer, die sich aufrichten und Laola-Wellen gleich unsere Anliegen durchs Land tragen.

Solveig Sch., Berlin