Das Laufen ist zu einer Leidenschaft geworden

Thema: Hobby
Das Laufen ist zu einer Leidenschaft geworden

„Ach, ich würde so gerne Sport treiben, in ein Fitnessstudio gehen oder so, aber was soll ich dann mit meinem Kind in der Zeit machen - und überhaupt habe ich kein Geld für so was!“ So jammerte ich einem guten Freund vor.

Mein Sohn Jannik war sechs Jahre alt und in der ersten Klasse und mit meiner Teilzeitstelle verdiente ich nicht soviel, um mir die Mitgliedschaft in einem Sportstudio zu leisten. Mein Freund Michael schaute mich an und sagte: „ Du arbeitest dienstags erst nachmittags, freitags überhaupt nicht. Jannik ist dann in der Schule und am Wochenende oft bei seinem Vater. Fange doch an zu Joggen, das kostet nichts!“

Laufen - ich? Ich hatte schon einige Erfahrung mit dem Joggen gesammelt, doch das war eher sehr anstrengend, manchmal sogar quälend. Da bin ich nicht der Typ für und außerdem habe ich Risse in beiden Minisken. Doch mein Freund hatte Recht. Ich hatte eigentlich genügend Zeit. Also fing ich mit dem Laufen an.

Meine ersten Laufversuche

An einem Dienstag fuhr ich mit dem Rad bis zu unserem Park und fing an zu laufen, ganz langsam.... - nein, noch langsamer. Flotte Fußgänger hätten mich überholen können, doch ich hielt auf Anhieb eine halbe Stunde durch und kam recht locker und glücklich wieder bei meinem Fahrrad an. Das war ein tolles Gefühl und es hat mir wirklich Spaß gemacht. Ab da lief ich mindestens zweimal die Woche, oft auch dreimal und es machte mir einfach nur Freude.

Eineinhalb Jahr später meinte Michael, nun wäre es mal Zeit für eine Laufveranstaltung. Die Nike-Challenge, ein 10 km Lauf sollte es sein. Start war auf dem Ku`Damm in Berlin und der Höhepunkt war der Zieleinlauf ins Olympiastadion. 60 Minuten habe ich gebraucht und ab da lief ich regelmäßig bei Wettkämpfen mit. Frauenlauf, City Night und später sogar den Run Berlin (25 km). Ich trainierte nun schon viermal in der Woche. Ich organisierte meine Tage so, dass ich Kind, Arbeit und Laufen locker miteinander vereinbaren konnte. Was lag nun näher, als auch mal an einen Marathon zu denken. Selbst als ich mit dem Laufen begonnen hatte, lag ein Marathon für mich weit aus dem Bereich des Möglichen. 42 km – unvorstellbar... vor allem für meine Knie.

Doch träumte ich schon immer davon. Ich habe oft, auch als Nichtläuferin, beim Marathon am Straßenrand gestanden und die LäuferInnen bewundert. Es musste einfach toll sein, dabei zu sein. Warum also nicht? Ich begann mit dem Training.

Der Traum vom Marathon wird real

Mein Sohn blieb nun schon alleine zu Hause, so dass ich ganz unabhängig von einer Kinderbetreuung trainieren konnte. Das Training wurde besser durchdacht, Bücher und Fachmagazine gewälzt und ich machte mir einen Plan. Ich wollte zeigen, dass man einen so langen Lauf mit Spaß, Freude und ohne Quälerei bewältigen kann. Dreimal in der Woche lief ich 10 km in unterschiedlichem Tempo und einmal pro Woche lief ich bis zu drei Stunden. Nachteil war nur, dass ich dies alles alleine machen musste. Freunde und Bekannte waren fast ausschließlich NichtläuferInnen und meine Eltern konnten meine Begeisterung überhaupt nicht nachvollziehen.

2005 nahm ich dann an meinem ersten Marathon teil. Es war einfach nur schön. Das Wetter klasse, die Stimmung toll. An der ganzen Strecke standen jubelnde Zuschauer. Natürlich taten mir irgendwann die Beine weh. Die Muskeln hatten genug, doch meine Ausdauer reichte aus und auch der Wille und ich lief nach viereinhalb Stunden kurz nach dem Brandenburger Tor durch das Ziel. Ich war einfach überwältigt. Gehen und vor allem Treppen steigen waren schmerzhaft, doch ich fühlte mich großartig.

Das Laufen ist wichtig für mich

Das Laufen ist für mich zu einer Leidenschaft geworden. Ein Leben ohne Sport kann ich mir überhaupt nicht mehr vorstellen (seit zwei Jahren mache ich auch noch Taekwondo, aber das ist eine andere Geschichte). Es hilft mir, mich wohl zu fühlen. Es hat mein Selbstbewusstsein gesteigert, weil ich weiß, dass ich Dinge schaffen kann, die ich mir vornehme. Auch die Muskulatur meiner Beine ist soweit aufgebaut, dass ich keine Knieprobleme mehr habe. Ich bin viel draußen (bei jedem Wetter!) und bekomme die Jahreszeiten hautnah mit. Ich höre Musik, denke nach oder unterhalte mich mit meinen Lauffreundinnen, mit denen ich seit zwei Jahren regelmäßig laufe.

Eine andere Freundin holt sich inzwischen bei mir Rat und bittet mich ab und zu, mit ihr zu Laufen, um über bestimmte Knackpunkte hinüber zu kommen (das 1x 10 km durchlaufen, das 1x eineinhalb Stunden laufen). Das macht mir sehr viel Spaß und ich habe sogar schon an einem Lehrgang zur Laufgruppenbetreuerin teilgenommen. Zur Zeit führe ich meinen Freund ans Laufen heran. Vielleicht findet er ja auch Spaß daran. Dann können wir am Wochenende zusammen zeitig aufstehen und laufen gehen ;-). Wenn nicht, dann ist das aber auch nicht schlimm.
Mein Sohn hat mir letztes Jahr einen gemeinsamen Lauf geschenkt. Wir haben zusammen trainiert und er hat mit mir an einem 10 km Lauf teilgenommen. Den Wettkampf fand er toll, doch das Training findet er langweilig, so dass er nicht weiter läuft. Ich jedenfalls werde weiterlaufen, weil es zu mir und meinem Leben dazu gehört und ich trainiere wieder für den Marathon im September!

Alexandra S.