Allein mit Kind durch Lehre, Studium und Alltag

Allein mit Kind durch Lehre, Studium und Alltag

Ich habe meine Tochter mit Anfang 20 bekommen. Als sie zwei Jahre alt war, trennte ich mich von ihrem Vater und begann mit meiner Lehre. Da ich aus einem anderen Bundesland stamme, war ich auf mich allein gestellt. Die Großeltern leben weit weg, aber zum Glück hatte ich einen verlässlichen Freundeskreis, der mich unterstützte. Ich lernte auch einige Alleinerziehende kennen. Irgendwie haben wir uns gegenseitig unter die Arme gegriffen, wenn eine von uns mal wieder auf dem Zahnfleisch kroch.

Passend dazu gab es in der Phase noch den Film: „Der Club der Teufelinnen“.

Eine coole Alleinerziehenden-Wohngemeinschaft

Um nebenberuflich studieren zu können, bin ich ein paar Jahre später - meine Tochter war zu diesem Zeitpunkt 6 Jahre alt - mit einer Freundin zusammengezogen, die ebenfalls allein erziehend war. Sie passte auf meine Tochter auf, während ich zweimal die Woche abends und am Samstag Kurse besuchte. Im Gegenzug war ich bei ihrem Sohn, wenn sie zweimal die Woche bis 21 Uhr arbeiten musste. Einen Babysitter hätten wir uns niemals leisten können, deshalb war das eine gute Lösung für uns beide. Das war eine tolle Zeit. Wir hatten eine große Jugendstil-Altbauwohnung im ehemaligen Osten Berlins mit vier schönen großen Zimmern und zwei Bädern. An Weihnachten veranstalteten wir dort große Weihnachtsfeiern mit vielen Freunden, einem Weihnachtsmann und Bergen von Geschenken für die Kinder. Daran erinnern sich die Kinder noch heute mit Begeisterung.

Wir lebten wie eine Familie zusammen, die Kinder wuchsen wie Geschwister auf und wir fuhren auch gemeinsam in den Urlaub. Einmal gingen die Kinder im Sommer eine Woche ins Ferienlager und wir Muttis gönnten uns eine Reise nach Ibiza. Da haben wir es mal so richtig krachen lassen und die kinderlose Zeit genossen! Das war ein Spaß, den wir dringend nötig hatten, um unsere Batterien wieder aufzuladen.

Wo ich heute stehe

Mein Studium zur Betriebswirtin habe ich erfolgreich beendet. Heute zahlt der Vater Unterhalt, nachdem ich ihn wegen Verletzung der Unterhaltspflicht angezeigt habe, Gehaltspfändung, das ganze Programm. Ich bin sehr stolz, dass ich beruflich viel geschafft habe und meiner Tochter damit ein Vorbild bin. Es war ein langer Weg und ich war oft am Boden zerstört, aber ich bin immer wieder aufgestanden. Und ich hatte meine Ziele fest vor Augen.

Am Ende unserer WG-Zeit haben meine Freundin und ich – zufälligerweise fast gleichzeitig – unsere Lebenspartner kennen gelernt, mit denen wir heute zusammenleben. Und wir treffen uns noch immer regelmäßig zum legendären Sonntagsbrunch mit den Kindern.

Mein Freund und ich haben noch ein Hundebaby in unsere Familie aufgenommen, unsere „haarige Tochter“. Die Zeit vergeht, aus dem Welpen ist eine Hundedame geworden und aus meiner Tochter ein selbständiges dreizehnjähriges Mädchen, das sich selbst ein Brot schmieren und mich anrufen kann, wenn irgendetwas ist. Ich finde, meine Geschichte ist eine Erfolgsgeschichte.

Silke L.